ANGRA - Ømni
Label: Edel (earMusic)
Die brasilianischen Power/Prog Heroen von ANGRA hatten es zwar in den letzten Jahren nicht immer leicht, erholten sich dennoch immer wieder von Rückschlägen. Mit Fabio Lione holte man sich wohl den bestmöglichen Ersatz für Edu Falschi und verringerte nun auch die Zeit zwischen zwei Alben zumindest von vier auf drei Jahre. Doch auch beim dritten Album müssen sich Fans auf Veränderungen einstellen, denn ein Blick auf die Tracklist ließ mich gleich verdutzt zurück, steht bei einem Song doch glatt (feat. Kiko Loureiro) dabei. Dass der Virtuose, der schon seit dem Debüt dabei ist, nun bei MEGADETH unter Vertrag steht, war mir bewusst, dass er ANGRA nicht erhalten bleibt, war mir aber bisher nicht bewusst. Bandgründer Rafael Bittencourt besetzte Kiko nun mit Marcelo Barbosa von ALMAH nach und schmeißt den Laden wie eh und je. Mit „Ømni“ hat man sich auch gleich ein opulentes Konzept überlegt, um zu zeigen, dass man noch voll im Geschäft ist und sich Fans nicht sorgen müssen.

Der Anker der Handlung basiert auf der Idee, dass es im Jahre 2046 ein künstliches Intelligenz-System geben wird, das die menschliche Wahrnehmung und Einschätzung beeinflussen kann. Ein System, das bewusste Kommunikation zwischen Vergangenheit und Zukunft zulässt. „Ømni“ ist Latein und steht für „alles“ und so kombinieren ANGRA zudem die Konzepte vorangegangener Werke wie „Holy Land“, „Temple Of Shadows“ und „Rebirth“ und auch musikalisch stellt man sich zwischen die Alben, fügt dem Ganzen aber auch neue Elemente bei.

So startet man mit dem UpTempo Kracher „Light Of Transcendence“, das zunächst durch orchestrale Elemente mit verspielten Gitarren und Keys an RHAPSODY erinnert, fügt aber bald typische ANGRA-Melodien bei. Eine flotte und eingängige Hymne bei der Fabio glänzt und sich erneut als perfekter Sänger für die Brasilianer beweist. „Travelers Of Time“ kommt mit modernerem Riffing und ersten Latino-Elementen daher. Der Track ist einen Ticken düsterer, aber nicht weniger melodiös und hier schaltet sich Rafael, der gut 30% des Gesangs übernimmt, ein. Seine raue Stimme ergänzt sich wuderbar mit Fabios und bringt einmal mehr Abwechslung und Tiefgang mit in das Album. Aber auch sonst zeigt man sich voller Ideen, denn „Insania“ bringt bombastische Chöre, die beiden gelungenen Balladen „The Bottom Of My Soul“ und „Always More“ schmeißt Rafael komplett alleine, während das heavy tönende „War Horns“ mit Kiko an der Gitarre verspielt und virtuos geliebte Nuancen der Band forciert. Lione singt hier wie auch bei weiteren Tracks betont mit langgezogenen Vocals, die dem Ganzen Intensität und Dramatik verleihen. Ähnlich ist das beim eingängigen „Caveman“, bei dem auch Stammes-Gesänge eingewebt wurden. Auch wenn „ØMNI“ zahlreiche eingängige Parts mitbringt, so schwingt stets der progressive Unterton der Band mit, so dass man auch nach mehreren Durchläufen etwas entdeckt. „Magic Mirror“ lässt sich da beispielsweise mehr Zeit und der erste Teil des Titeltracks mit dem Untertitel „Silence Inside“ kommt sogar auf fast neun Minuten, während der zweite Teil und Finaltrack „Infinite Nothing“ ein Novum darstellt. Bittencourt versucht sich hier als cineastischer Komponist mit fettem Orchester, was auch gelingt, aber ebenso aus dem Rahmen fällt.

ANGRA liefern hier ein perfektes Album ohne Schwächen – bis hierhin, denn da wäre noch „Black Widow´s Web“ für das man eine gewisse Brasilianerin namens Sandy und Alissa White-Gluz von ARCH ENEMY rekrutierte. Wie man auf diese Idee kam, kann und will ich nicht verstehen. Nichts gegen ihr Schaffen bei den Schweden, doch was die Dame hier abliefert, klingt furchtbar gezwungen, deplatziert und will so überhaupt nicht mit dem Fronter harmonieren. Abgesehen vom typisch guten Gespür für Melodien, funktioniert der Song einfach nicht, weshalb ANGRA nur knapp die Höchstpunktzahl verpassen.

Die Brasilianer schaffen es auch nach mehr als 25 Jahren und ohne Kiko ein spannendes, abwechslungsreiches und mit Überraschungen gespicktes Album voller Highlights, Hits und Hymnen abzuliefern. Fans der Band müssen zugreifen. Alle anderen eigentlich auch!

www.angra.net


6.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Light Of Transcendence
2. Travelers Of Time
3. Black Widow´s Web
4. Insania
5. The Bottom Of My Soul
6. War Horns
7. Caveman
8. Magic Mirror
9. Always More
10. Ømni: Silence Inside
11. Ømni: Infinite Nothing
Gesamtspielzeit: 60:33

maxomer
Weitere Beiträge von maxomer

Weitere Beiträge über ANGRA


CD-Bewertung
0 Stimmen [LESERCHARTS]
Deine Bewertung:
  



War diese Kritik hilfreich?
0 Stimmen
Deine Bewertung:
  


Beitrag vom 13.02.2018
Zurück


Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: