AYREON - The Source
Label: Mascot Records
AYREON Mastermind Arjen Lucassen (STAR ONE, AMBEON, THE GENTLE STORM uvm.)hat sich dieses Mal zum Glück nicht allzuviel Zeit gelassen um den Fans eine neues Album des beliebtesten und größten seiner zahlreichen Projekte zu liefern. Das mag daran liegen, dass „The Theater Equation“ in Rotterdam ein voller Erfolg war und auch die weiteren Konzerte sofort ausverkauft waren, oder einfach daran, dass er dabei seine Kreativität voll ausspielen kann.

Vorab ist es immer schon verdammt spannend, wen sich Arjen für ein AYREON Album einlädt um eine neue grandiose Metal Oper zusammen zu stellen. Dieses Mal kann man fast von einer Art „Best-Of meets nächster Schritt“ sprechen, denn mit alten Bekannten wie James LaBrie (DREAM THEATER), Tommy Karevik (KAMELOT), Michael Mills (TOEHIDER), Hansi Kürsch (BLIND GUARDIAN), Russel Allen (SYMPHONY X, ADRENALINE MOB, STAR ONE) sowie die Dauergäste Floor Jansen (NIGHTWISH) und Simone Simmons (EPICA), greift der Niederländer bewusst auf großartige Vocalisten, die perfekt zu AYREON passen, zurück. Dazu kommen ein paar Überraschungen mit dem längst überfälligen Beitrag vom Quasi-Konkurrenten Tobias Sammet (EDGUY, AVANTASIA), Nils K. Rue (PAGANS MIND), Tommy Rogers (BTBAM), Michael Eriksen (CIRCUS MAXIMUS) und Zaher Zogarti (MYRATH).

Nicht minder überraschend, aber dann im Nachhinein doch irgendwie nachvollziehbar, geht Arjen nach seinem kurzen Exkurs in die Physik und Chemie mit „The Theory Of Everything“ wieder zurück zu seiner großen Story rund um die Forever, Planet Y und dem Ende verschiedener Welten. So stellt „The Source“, das in vier Parts zu je drei bis vier Songs unterteilt wurde, wie der Titel schon andeutet, eine Art Prequel dar. Kurz gesagt: Die Alphas haben dem Frame, einer künstlichen Intelligenz, freie Hand gegeben, der Frame kommt aber zu dem Schluss, dass diese menschliche Rasse das größte Problem auf dem Planeten ist und daher ausgelöscht werden muss. Eine Gruppe von Leuten, die von den genannten Sängern verkörpert wird, soll nun die Rettung bringen. So stellen ein Raumschiffskapitän, der interessanterweise Tobi ist, ein Biologe, ein Chemiker, ein Astronom, ein Prophet, ein sarkastischer Android, der Präsident und weitere Charaktere einen Plan auf, indem man die Population der Rasse auf einem fernen Planeten neu startet. Dementsprechend gibt es vor allem auf der ersten Platte weniger Projekt-typische Duette bzw. Dialoge zwischen den einzlenen Protagonisten, es fühlt sich vielmehr so an, als würden diese Debattieren und zu den einzelnen Themen einfach immer wieder ihren zum Charakter passenden Senf dazugeben.

Nun endlich zur Musik, die neben Arjen natürlich auch wieder von zahlreichen berühmten Musikern (u.a. Ed Warby) und Gastinstrumentalisten (u.a. Paul Gilbert, Marcel Coenen, Jeroen Goossens) eingespielt wurde. Auch hier gibt es viel Bekanntes, was einerseits schade ist, da man nur wenige Überraschungen serviert bekommt, dafür aber Musik die zum Thema passt, irgendwie etwas nach „01011001“ Part 2 klingt und qualitativ über jeden Zweifel erhaben ist. So startet man mit dem längsten Track um die Story sowie bereits alle Sänger einzuführen. Trotz zwölf Minuten hat hier aber keiner richtig viel Zeit um sich zu entfalten. Nur Kapitän Sammet sticht mit außergewöhnlichen Vocallines heraus, während Russel Allen als Präsident etwas mehr Raum bekommt. Musikalisch orientiert man sich stark am genannten vorletzten Album mit viel Prog, etwas Bombast, schnelleren Parts sowie einem saucoolen Blues-Teil. Das macht fast süchtig und vor allem Lust auf mehr und so gibt es auf der ersten Disc alles was man von Lucassen gewohnt ist. Vielfältige Emotionen sind sowieso allgegenwärtig bei AYREON, so ist „Sea Of Machines“ ruhig, verträumt, leicht folkig aber intensiv, „Everybody Dies“ bringt industrielle Elemente und abgefahrene Rhythmen mat, „Run! Apocalypse! Run!“ tritt gewaltig aufs Gaspedal und zeigt Toni Mills in seiner eigenwilligen Rolle als Androide TH-1 als humoristische Einlage. Verträumt und mit hauptsächlich weiblichen Vocals holt zwischendurch „All That Was“ den Hörer runter, während das düstere, apokalyptische „Condemned To Live“ klar macht, dass es das für den Planeten war und es höchste Zeit wird nach „Sirrah“ abzuhauen.

Die zweite Platte handelt dann von der Reise selbst, die nicht minder spannend ist und auch einige alte Referenzen aufgreift. Da stechen vor allem das heavy stampfende „Aquatic Race“, das flotte und abgefahrene „Planet Y Is Alive“ und das dramatische und dynamische „Deathcry Of A Race“ heraus. Dazu kommen in zwei Tracks Musical-artige, mehrstimmige Chöre, einige von PINK FLOYD inspirierte Parts sowie der saucoole DEEP PURPLE-artige Rocker „Into The Ocean“ inklusive Hammond-Orgel. Doch keinen Song auf „The Source“ möchte man missen, denn Herr Lucassen hat wieder alles richtig gemacht. Vor allem der kleine Twist zum Ende der Story lässt Fans von AYREON sicher innerlich grinsen.

Die kleine Kritik, dass man hier nur wenig Neues liefert, muss sich Arjen zwar gefallen lassen, doch Fans werden ob des verdammt starken Songmaterials gerne darüber hinwegsehen. Ob man den Overkill an Sängern wirklich gebraucht hätte, sei auch dahingestellt, denn selten haben die talentierten Stimmakrobaten wirklich genug Raum um sich vollends zu entfalten. Neben Tobi, Russel und der unverkennbaren Stimme von Hansi Kürsch, gefällt mir aber vor allem die Arbeit von Nils K. Rue und Eriksson verdammt gut, während gerade Rogers und Zogarti mit seiner Minirolle etwas untergehen.

Abgerundet wird alles mit einer gewohnt überaus fetten Produktion, einem schicken Artwork sowie einem dicken Booklet mit weitere Bildern sowie sogar Blaupausen und Concept Arts des Raumschiffs mit dem Namen StarBlade, dem Dream-Sequenzer sowie dem Frame.

„The Source“ ist alles was AYREON ausmacht; emotional, tiefgründig, sozialkritisch und ein weitere Progressive Metal Meisterwerk mit Hollywood-Reifer Story, dass viele weitere Stile wie Industrial, Classic Rock, Blues und Folk einfließen lässt. Arjen Lucassen hat sich dieses Mal vielleicht nicht selbst übertroffen, hält aber das Niveau mühelos. Die Hächstnote geht sich aber dieses Mal ganz knapp nicht aus.

ayreon.com


6.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. The Day The World Breaks Down
2. Sea Of Machines
3. Everybody Dies
4. Star Of Sirrah
5. All That Was
6. Run! Apocalypse! Run!
7. Condemned To Live
8. Aquatic Race
9. The Dream Dissolves
10. Deathcry Of A Race
11. Into The Ocean
12. Bay Of Dreams
13. Planet Y Is Alive!
14. The Source Will Flow
15. Journey To Forever
16. The Human Compulsion
17. March Of The Machines
Gesamtspielzeit: 43:57 + 44:26

maxomer
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Beitrag vom 17.05.2017
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