DRAGONFORCE - Reaching Into Infinity
Label: Edel (earMusic)
Mit „Reaching Into Infinity“ sind die furiosen Power Metal Veteranen DRAGONFORCE bereits bei ihrem siebten Album und dem dritten mit Marc Hudson, der vor fast sieben Jahren ZP Theart ersetzte, angekommen. Der Titel verspricht schon Großes und das gibt es auch auf auf dem Output, auf den man gut drei Jahre warten musste. Doch faul waren die Briten mit französischer, weißrussischer und mittlerweile auch italienischer Unterstützung natürlich nicht. Dazwischen gab es ein Best-Of, eine Live-Veröffentlichung und zahlreiche Festival-Auftritte und Clubgigs. Von nichts kommt nichts, und das machte sich in den letzten eineinhalb Dekaden bezahlt und DRAGONFROCE gehören aktuell zu den angesagtesten Acts ihres Genres.

Der erste Teil von „Reaching Into Infinity“ verspricht hochwertige Kost mit allen typischen Trademarks der Band. „Ashes Of The Dawn“ markiert als Einstieg einen gelungenen Melodic-Power Metal Banger mit gewohnt hohem Tempo, „Judgement Day“ schraubt die Geschwindigkeit und Härtegrad nochmal um eine Ecke höher, liefert im Kontrast aber auch zuckersüße Keyboardmelodien, zahlreiche Hooks, eingängige Background-Chöre und einen hymnischen Refrain. Aber auch die Gitarreneffekte von Wizard Herman Li und Duelle mit Kollegen Sam Totman dürfen nicht fehlen. Bei „Astral Empire“ bricht zum ersten und nicht letzten Mal durch, dass man mit Gee Anzalone (Ex-KILL RITUAL) einen neuen Drummer, der den überraschend ausgestiegenen Dave Macintosh, ersetzte, der aus der Thrash-Ecke kommt nun in den eigenen Reihen hat; und das tut dem Sound der Band absolut gut. „Curse Of Darkness“ erhöht nochmal das Suchtpotential und lädt im Chorus zum Mitsingen ein, ehe man mit „Silence“ eine waschechte Ballade abliefert, die man von der Band so nicht erwartet hätte. Gab es beim Debüt von Marc Hudson noch Zweifel, so zeigt der Mann nun ein breites und perfekt sitzendes Spektrum an Gesangsstimmen, die zu jeder Situation passen und auch mit dem meist schwindelerregenden Tempo mithalten können.

Schneller, höher, weiter, DRAGONFORCE - war gestern – die Briten müssen und wollen keinem mehr etwas beweisen und bauen gerne auch langsame und ruhige Parts in ihren immer noch verdammt flotten Songs ein. Dadurch wirken die schnellen und heavy Parts natürlich noch intensiver. Zu verdanken ist das vor allem dem Bassisten Frédéric Leclercq (Ex-HEAVENLY), der schon seit Jahren eine mehr als überragende Bereicherung für die Band ist und dieses Album fast im Alleingang schrieb und auch zahlreiche Gitarren- und Akustik-Parts für das Album aufnahm. Dass man zudem immer wieder Festivals und Gigs zwischen den Aufnahmen spielte kann man bei der schier unbändigen Energie von „Reaching Into Inifinity“ immer wieder spüren.

Wer jetzt meint, DRAGONFORCE haben da bereits ihr Pulver verschossen, der irrt bei Weitem, denn die großen Highlights hat man in der zweiten Hälfte des Meisterwerks versteckt. „Midnight Madness“ ist ein fröhlicher Highspeed-Banger, der sowohl stilistisch als auch qualitativ auf Augenhöhe mit Klassikern wie „Fury Of The Storm“ oder „Through The Fire And Flames“ steht, während „War!“ sich vom Geheimtipp zum absoluten Hit mausert. Der Track erinnert zunächst mit seinem cleanen Intro an Klassiker von ANNIHILATOR und überrascht mit fetten 80s Thrash Riff, zu dem Hudson eine Performance irgendwo zwischen Gerre, Tom Angelripper und Randy Rampage abliefert. Da klappt die Kinnlade schon mal runter. Bei den eingestreuten Soli, Keys und spätesten in der Bridge brechen dann doch wieder DRAGONFORCE durch, ehe man im Refrain wieder mit Volldampf losthrasht. „Land Of Shattered Dreams“ packt wieder einen bunten Strauß Melodien aus, lässt einen aber keinesfalls verschnaufen und setzt sich mit leicht asiatischen Melodien ganz fies im Ohr fest.

Doch damit nicht genug; „The Edge Of The World“ ist der längste Song der Bandgeschichte und beginnt mit einem Mix aus GAMMA RAY und MOB RULES. Marc übertrifft sich erneut selbst, während die Band die Intensität immer mehr steigert, ehe plötzlich MORBID ANGEL Riffs und passendes Drumgewitter über uns hereinbrechen. Dazu brüllt sich Fred ganz in David Vincent Marnier die Seele aus dem Leib, ehe man am Ende den Kreis schließt und die Intensität mehr und mehr wieder abbaut. Wow – was für ein Ritt! Da trifft es sich gut, dass mit „The Finale Stand“ zum Schluss ein lockerer UpTempo Banger das Album souverän abschließt.

Doch dem nicht genug, mit dem Bonus Track „Hatred And Revenge“ kramt man wie schon bei „Three Hammers“ oder „Die By The Sword“ seine True Metal Wurzeln hervor, bis man mit dem DEATH-Cover wieder die Thrash-Keule hervorholt.

DRAGONFORCE haben mit „Reaching Into Infinity“ den Mund nicht zu voll genommen und das wohl beste, aber definitiv abwechslungsreichste und innovativste Werk ihrer Karriere abgeliefert und dabei keinen einzigen Ausfall oder schwachen Song zu bieten. Wer die Truppe bisher mochte, wird hellauf begeistert sein, wer schon vorher einen Bogen um die schnellste Power Metal Band der Welt gemacht hat, wird das auch jetzt nicht ändern.

www.dragonforce.com


7 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Reaching Into Infinity
2. Ashes Of The Dawn
3. Judgement Day
4. Astral Empire
5. Curse Of Darkness
6. Silence
7. Midnight Madness
8. War!
9. Land Of Shattered Dreams
10. The Edge Of The World
11. Our Final Stand
12. Hatred And Revenge (Bonus)
13. Evil Dead (Bonus – DEATH Cover)
Gesamtspielzeit: 69:33

maxomer
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Beitrag vom 11.05.2017
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