KOUZIN BEDLAM - Longing For The Incomplete
Label: Inverse Records
Die Finnen mit dem etwas sperrigen Bandnamen KOUZIN BEDLAM konnten bisher nur ein Demo aus dem Jahr 2008 vorweisen, damals noch als Trio. Gut sechs Jahre später kommt erst das offizielle Debüt über Inverse Records und das kann sich verdammt nochmal hören lassen. Die Jungs bieten auf „Longing For The Incomplete“ entgegen des Titels alles andere als halbe Sachen und liefern ein hochprofessionelles Metal Debüt mit progressiver Ausrichtung, viel Feingefühl, Emotionen und durchdachtem Songwriting.

Als klassische Progressive Metal Band kann man KOUZIN BEDLAM wahrlich nicht bezeichnen, dazu ist der Sound zu eigenwillig und das obwohl sich die Nordmänner eigentlich typischen Elementen bedienen. So startet man mit „The Accusation Of Job“ noch recht klassisch in eine Heavy Rock-Nummer mit treibenden Rhythmen, groovenden Gitarren und geradlinigem, einprägsamem Gesang, der in höheren Lagen etwas an FOZZYs Chris Jericho erinnert. Doch bereits hier hört man dank dezenten Keyboards eine gewisse Dramaturgie heraus. Außerdem bietet man schon hier auf gute Dynamik und somit viele Tempiwechsel und einen atmosphärischen Mittelteil, der in rockigen Thrash umschwenkt, so dass der Song immer spannend bleibt.

Alle Songs zu beschreiben würde zu weit führen, da sämtliche Tracks auf „Longing For The Incomplete“ ihren eigenen Charme und Stil haben, dennoch wunderbar harmonieren, darum versuche ich nur das Feeling etwas anzuschneiden. „Pavane For A Dead Princess“ (MUDVAYNE, SOIL, MUSHROOMHEAD) kommt etwas langsamer daher, groovt aber nicht weniger und kommt aus dem modernen Crossover der 90er, ehe „Never Come Home“ sich als fantastische und mit Emotionen geschwängerte Power-Ballade mit hymnischem Unterton entpuppt – ganz großes Kino. „Shadows In The Dark“ spielt gleich mit mehreren Stimmungen und schwankt zwischen eingängigem Rock und heftigem Metal der moderneren Art und überzeugt durch abgefahrene Sprechgesänge. Mit „Psychonaut“ folgt eine Stadion-Power-Rock-Hymne mit leichtem Sleaze-Faktor, „Oxygen“ webt offensichtlich 80er Pop/Rock mit Synthies ein, ehe „Return To The Caves“ wieder verdammt heavy tönt und das Tempo gewaltig anzieht. Auch der Track geht verdammt gut ins Ohr und lässt keinen mehr ruhig sitzen. „Crash Test“ ist der einzige Song, der bereits auf der Demo zu finden war, gefällt aber erst im lockeren Refrain wirklich, während der Titeltrack zum Schluss nochmal mit viel Dynamik und Abwechslung punktet.

KOUZIN BEDLAM haben mit „Longing For The Incomplete“ ein überraschend starkes Prog-Rock/Metal Debüt abgeliefert, das mich sofort in den Bann zu ziehen vermochte, herrlich frisch tönt und auch nach unzähligen Durchläufen noch sehr viel Spaß macht. Noch dazu haben es die Finnen geschafft absolut eigenständig zu tönen ohne besonders viel Neues zu liefern. Die Mischung aus Rock, Metal, Crossover, Prog und sogar etwas Nu Metal sowie Industrial harmoniert hier einfach perfekt und muss erst mal nachgemacht werden. Fette Newcomer-Empfehlung meinerseits.




6.5 von 7 Punkten

Tracklist:
1. Ordo Ab Chao
2. The Accusation Of Job
3. Pavane For A Dead Prince
4. Never Come Home Again
5. Shadows In The Dark
6. Psychonaut
7. Oxygen
8. Return To The Caves
9. Crash Test
10. Longing For The Incomplete
Gesamtspielzeit: 44:00

maxomer
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Beitrag vom 05.12.2014
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