PROTEST THE HERO - Palimpsest
Label: Fearless Records
Das letzte reguläre Album von PROTEST THE HERO liegt schon wieder sieben Jahre zurück. Das hat aber mehrere Gründe, denn zum einen haben die Jungs aus Kanada eine EP-Reihe in den Jahren 2015 und 2016 komplett in Eigenregie veröffentlicht und zum anderen musste man die Aufnahmen zu „Palimpsest“, dem nun fünften Werk der Herren, weil sich Fronter Rody Walker auf Tour seine Stimme zerschossen hatte, verschieben.

Doch jetzt ist das, nach einem mittelalterlichen, beziehungsweise antiken Schriftstück benannte Album da und das Warten darauf hat sich für Fans definitiv gelohnt. Nach wie vor sind die Kanadier im musikalischen Wandel und verdammt schwer stilistisch einzuordnen. Progressive Metal ist dabei nur eine vage Beschreibung, denn die vertrackten, aber doch irgendwie einprägsamen Songs atmen die Core- und Punk-Vergangenheit mit djentigen Riffs und weiteren Elementen des Genres, die oft aber nur noch rudimentär zu spüren sind und so sind auch harsche Vocals verhältnismäßig Mangelware, dafür aber effektiv eingesetzt, wenn sie doch einmal passieren. Vorrangig regiert Rodys hohes und oftmals verzweifelt klingendes Organ, das er immer mal wieder schont, um den Riffmeistern mehr Raum zu geben. Moderne Keyboards sind aber auch allgegenwärtig, sodass PROTEST THE HERO stets eine ganz eigene Atmosphäre und Eingängigkeit erzeugen.

Den erwähnten Wandel spürt man vorrangig am etwas gedrosselteren Tempo im Vergleich zum Vorgänger und der größeren Experimentierfreudigkeit, die Rody bei seinen ambitionierten Vocallines an den Tag legt. Man höre nur die wahnsinnige Leistung in „The Fireside“ – wann holt der Mann da eigentlich Luft? Dazu gesellen sich die erwähnten Keyboard-Melodien sowie immer wieder gekonnt eingesetzte Streicher, die den Sound von PROTEST THE HERO wunderbar ergänzen. Der Frontmann lädt trotz der Komplexität und vielen Experimenten immer wieder mal zum Mitsingen ein und mit Tracks wie dem intensiven „From The Sky“ oder dem abgefahrenen „Soliloquy“ werden sich bald neue Fanlieblinge finden. So stark die abgefahrene und melodische Frickelorgie auch ist, auf die ganze Länge kann es in den ersten Durchgängen schon mal anstrengend werden und gegen Ende merkt man, dass man statt dem Djent auch mal andere Genres ins Riffig hätte einbauen können um bei der Stange zu halten, was aber Jammern auf hohem Niveau sei mag, aber durchaus erwähnt werden sollte.

PROTEST THE HERO schaffen es mit „Palimpsest“ ihr gleichzeitig komplexestes und abwechslungsreichstes, aber auch melodischstes und eingängigstes Album zu schaffen und auch wenn manch einer wegen der leichten Neuorientierung murren wird, die Grätsche funktioniert bestes, macht eine Menge Spaß und lädt zum Entdecken ein. Für Fans des Prog-Metal und einprägsameren Matchore ein kleines (fast)-Meisterwerk.

de-de.facebook.com/protestthehero/


6 von 7 Punkten

Tracklist:
1. The Migrant Mother
2. The Canary
3. From The Sky
4. All Hands
5. The Fireside
6. Soliloquy
7. Reverie
8. Little Snakes
9. Gardenias
10. Rivet
Gesamtspielzeit: 51:18

maxomer
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Beitrag vom 23.07.2020
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