INFERNO FESTIVAL 2018: FLESHGOD APOCALYPSE   EMPEROR   ORIGIN   AUÐN   MEPHORASH   NECROPHOBIC   EARTH ELECTRIC   WIEGEDOOD   ULSECT  
30.03.2018 @ Rockefeller/John Dee, Oslo

Auch der zweite Festivaltag begrüßte die Besucher mit strahlendem Sonnenschein, und so mancher nützte den Tag für Museumsbesuche und Ausflüge. Ich selbst besuchte zwei Veranstaltungen im Zuge der Inferno Music Conference 2018. Zuerst gab es eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Globalization in the live Metal music industry”, bei der auch Österreich vertreten war – in der Person von Roman Hödl, seines Zeichens Chef von District-19 und Veranstalter des Eindhoven und Vienna Metal Meetings.

Danach folgte „Drum Clinic: Cato Bekkevold from ENSLAVED”, bei der Cato erst einmal Geschichten aus dem Tourleben aus der Sicht des Drummers erzählte, und danach sein Drum-Set ausführlich erklärte. Dies geschah auf so humorvolle Weise, sodass es auch für Nicht-Drummer beste Unterhaltung war.

Um 17.30 war es dann Zeit für die erste Band im Rockefeller, und da stand besonders Düsteres auf dem Programm. Feuerschalen, coole Mikroständer und andere Deko verhießen das Flair einer schwarzen Messe, und zu genau der geriet der Gig von MEPHORASH. Das lag nicht nur an den langen Mönchskutten und den verhüllten Gesichtern, sondern auch an den eher langsamen, jedoch sehr intensiven Black Metal Klängen, zu denen Vocals bestehend aus tiefen Growls und cleanen Gesängen ertönten. Einige rituelle Gesten und würdevolles Schreiten sorgten zusätzlich für Atmosphäre, und die schon zahlreich erschienenen Besucher ließen sich vollkommen von der Darbietung der Schweden bannen. Ich bin mir sicher, dass MEPHORASH nicht nur für mich eine umwerfende Entdeckung waren, und nicht nur ich diese Band weiterverfolgen werde.

Der totale Gegensatz war danach für das John Dee angekündigt, wo die Niederländer ULSECT Opener an diesem Tag waren. Seit 2013 existiert die Truppe mit ihrem Technical/Avant-garde Death Metal-Sound, und war damit erwartungsgemäß ein ziemliches Kontrastprogramm zu den anderen Bands bei diesem Festival. Man begann mit einem monotonen Intro, gefolgt von recht angenehm klingenden Tönen. Aber dieser Eindruck verflog recht rasch, als Sänger Dennis Maas auf die Bühne stürmte, und aggressive Growls ins Mikro brüllte. Dadurch wurden die gelungenen Riffs einigermaßen in den Hintergrund gedrängt, und als Untermalung bei den Vocals passte sich auch immer die Spielweise in Bezug auf die Härte an, was ziemlich viele unterschiedliche Eindrücke erzeugte. Diese Musik ist halt eindeutig Geschmackssache – viele mochten es, mir persönlich war es zu chaotisch.

Dafür folgte im Rockefeller als nächstes ein persönliches Highlight. Die Atmospheric Black Metaler AUÐN spielten im letzten Jahr noch im John Dee, das aber so überzeugend, dass heuer ein Gig auf der großen Bühne mehr als verdient war. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil das neue Album „Farvegir Fyrndar” wie eine Bombe einschlug, und den Isländern einen gewaltigen Popularitätsschub einbrachte. So war der Platz vor der Bühne prall gefüllt, als AUÐN ohne irgendwelches Intro zu spielen begannen. Nach einem langen, angenehmen Instrumentalteil erschien Sänger Hjalti Sveinsson im Sakko auf der Bühne, und trug allerlei Screams vor. Man bot einen Mix aus brachialen und hochmelodischen Parts. Ohne irgendwelchen optischen Schnickschnack, rein durch ihr musikalisches Können, konnten die Isländer die Menge vollauf faszinieren, und wer bis dahin keine AUÐN-Fan war, der war es danach auf jeden Fall.

Auch auf der John Dee-Bühne stand Black Metal auf dem Programm. WIEGEDOOD veröffentlichten knapp hintereinander die Triologie „De Doden Hebben Het Goed“ und konnten damit einige voll überzeugen. So war es nicht verwunderlich, dass schon lange vor Beginn viele an der Absperrung der kleinen Bühne standen, um den Belgiern aus nächster Nähe zu lauschen. Nach einem betont ruhigen Intro gab es ein volles Brett auf die Ohren, das nur zwischendurch von melodischen Klängen ergänzt wurde. Die Übergänge zwischen den Tracks waren eher sanft, aber die Stücke selber beinhalteten ein wahres Wechselbad der Gefühle. Irgendwie von einem Extrem ins andere, und Gitarrist Levy Seynaeve setzte mit schreienden Growls noch zusätzlich eins drauf. WIEGEDOOD stellten ihre Fans offensichtlich vollauf zufrieden, da kaum welche während des Gigs hinausgingen, sondern lieber den ganzen außergewöhnlichen Gig in vollen Zügen genossen.

Setlist WIEGEDOOD:

Svanesang
Ontzieling
De Doden Hebben Het Goed II
Cataract
Onder Gaan


Das Rockefeller stand danach im Zeichen des Technical Brutal Death Metals, der von den Urgesteinen ORIGIN auf die Ohren geknallt wurde. Die US-Amerikaner hatten mit „Unparalleled Universe“ auch ein neues Album im Gepäck, und nutzten diese Gelegenheit, den Fans die neuen Tracks vorzustellen. Nach dem bedrohlichen, gesprochenen Intro ging es gleich in die Vollen, und Sänger Jason Keyser raste über die Bühne und brüllte dabei heftige Vocals ins Mikro. Der heftige, schnörkellose Death Metal kam bei den Leuten sehr gut an, mancher bangte mit und scheinbar ließ man sich gerne ordentlich die Gehörgänge durchputzen. ORIGIN boten Brutalität in Perfektion und auch wenn das Inferno Festival eher Black Metal-lastig ausfällt, so fanden dennoch viele Gefallen an diesem Gig.

Die vorletzte Band des Tages im John Dee war von ganz anderer Art. EARTH ELECTRIC ist das Ergebnis der Ehe des norwegischen Musikers Rune Eriksen und seiner portugiesischen Gattin Carmen Susana Simões, die aus AVA INFERI entstand. Zusammen spielen sie Progressive Rock/Heavy Metal, was eigentlich für das Inferno überraschend war. Die musikalische Darbietung war ein Mix aus eigenwilligen Keyboardklängen, Gitarrenriffs mit vielen Ecken und Kanten, und dazu ließ Carmen unter vielen lasziven Verrenkungen ihre hohe Stimme erklingen. Alles zusammen war doch sehr extravagant und etwas schwer verdaulich, und nach und nach waren immer weniger Leute vor der Bühne, da viele einfach nichts mit dieser Musik anfangen konnten. Es waren sicher begabte Musiker am Werk, aber dieses Festival war einfach der falsche Ort für EARTH ELECTRIC.

Aber vielleicht zog auch der Headliner auf der Mainstage schon einige frühzeitig in Richtung Rockefeller. Der Gig von EMPEROR trug sicher auch stark dazu bei, dass dieser Tag des Inferno Festivals restlos ausverkauft war, und so war es schon einige Zeit vor Beginn knallvoll vor der Bühne, und auch auf den Balkonen drängte man sich in Dreierreihen. Normalerweise werden am Inferno keine Bands angesagt, aber für EMPEROR wurde eine Ausnahme gemacht, und als das softe, mystische Intro erklang, gab es in der Menge keine Halten mehr. Die druckvollen Rhythmen hätten zum Bangen eingeladen, wenn dafür Platz gewesen wäre, und Sänger Ihsahns kräftige Vocals heizten die Stimmung zusätzlich an. Am Programm stand ein Mix aus dem gesamten Musikschaffen der Truppe. Oft wurde von den Fans lautstark mitgesungen, und die weniger Textsicheren streckten begeistert die geballten Fäuste in die Höhe. EMPEROR sind in Norwegen eine richtige Macht, und das sonst so gemütliche Publikum war ganz schön heftig drauf. Mein Versuch in das John Dee zu gelangen wurde von einigen blauen Flecken begleitet, aber scheinbar duldeten die Leute keinerlei Störung, wenn ihre Götter auf der Bühne stehen. Auf jeden Fall waren EMPEROR ein würdiger Headliner, und auch wenn diese Band noch mehrere Gigs in diesem Jahr geplant hat, so wird der am Inferno in puncto Intensität wohl kaum zu überbieten sein.

Setlist EMPEROR:

Alsvartr (The Oath)
Ye Entrancemperium
Thus Spake The Nightspirit
Ensorcelled By Khaos
The Loss And Curse Of Reverence
The Acclamation Of Bonds
With Strength I Burn
The Wanderer
-
Curse You All Men!
The Majesty Of The Nightsky
I Am The Black Wizards
Inno A Satana

Aber als die Musiker von NECROPHOBIC bei einem bombastischen Intro, das auch für Gladiatorenkämpfe gepasst hätte, auf die Bühne kamen, ließen sie sich keine Sekunde eine Spur von Enttäuschung über die kleine Bühne im John Dee anmerken. Ganz im Gegenteil. Die in düsteres Corpsepaint und Nagelmanschetten gehüllten Musiker zeigten sich von Anfang an sehr motiviert, und Sänger Anders Strokirk peitschte die Leute so richtig ein, und ließ immer wieder den einen oder anderen lockeren Spruch vom Stapel. NECROPHOBIC spielten ein gut durchgemischtes Set, aber natürlich wurden auch einige Tracks von der neuen Platte „Mark Of The Necrogram“ zum Besten gegeben. Trotz des Sardinenbüchsenfeelings durch zu viele Leute gingen alle schwer begeistert mit, und so wurde der Gig trotz der kleinen Bühne ein voller Erfolg.

Setlist NECROPHOBIC:

Mark Of The Necrogram
The Crossing
Before The Dawn
Pesta
Tsar Bomba
Dreams Shall Flesh
Darkside
Nailing The Holy One
Revelation 666
-
Blinded By Light, Enlightened By Darkness
The Nocturnal Silence


Die Bühne im Rockefeller wurde inzwischen mit Kerzenständermikros, Fahnen und allerlei anderem Nippes in einen altertümlichen Salon umdekoriert, das sicherste Zeichen dafür, dass FLESHGOD APOCALYPSE nicht weit sein können. Bei einem marschähnlichen Intro kamen die Musiker in feinsten Zwirn gekleidet, mit dunkel umrandeten Augen, im Stechschritt auf die Bühne, und Vocalistin Veronica Bordacchini nahm im Hintergrund Aufstellung. Der Auftritt der Italiener in Oslo geschah im Zuge ihrer ausgedehnten Tour zum letzten Album „King“, dessen Konterfei groß im Hintergrund prangte, und so wurden auch viele Songs daraus gespielt, aber auch auf die alten Hits nicht vergessen. Durch den Mix aus vielen symphonischen Elementen und Veronicas hohem Operngesang als Gegenpol zu den harten Growls und Death Metal Klängen mit den extrem schnellen, hämmernden Drums, schufen sich FLESHGOD APOCALYPSE eine große Fanbase, und trotz der späten Stunde waren noch viele Leute da, um den druckvollen Rhythmen mit den wechselvollen Gesängen zu lauschen. Ein perfektes Ende für einen variantenreichen und auch imposanten Festivaltag!


Weblinks:
www.facebook.com/fleshgodapocalypse
www.facebook.com/necrophobic.official
www.facebook.com/emperorofficial
www.facebook.com/earthelectricband
www.facebook.com/Origin
www.facebook.com/wiegedood
www.facebook.com/audnofficial
www.facebook.com/ulsect
www.facebook.com/Mephorash
www.infernofestival.net

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Beitrag vom 28.04.2018
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