JACOBS MOOR   ANDERWELT   VANITAS   
11.11.2017 @ Zuckerfabrik, Enns

Nachdem die Wiener Power/Thrash Metal Sensation JACOBS MOOR kürzlich mit „Self“ einen würdigen Nachfolger zum mittlerweile drei Jahre alten Debüt „All That Starts“ raus haute und ich auch deren Live-Gigs in bester Erinnerung hatte, war es keine große Frage, ob ich einen der aktuellen Auftritte der Truppe besuche. Die Wahl fiel auf die Zuckerfabrik Enns, in der das Quintett gemeinsam mit den Newcomern VANITAS, die letztens schon am Shredfest für Wirbel sorgten, sowie den melancholischen Post-Metallern ANDERWELT, aufgeigten.

Mit leichter Verspätung starteten VANITAS und die Namensverwirrung zu den bereits aufgelösten Dark Metallern, die ebenfalls aus unseren Landen stammten, habe ich letztes Mal schon erwähnt. Die jungen Melodic Deather starteten ambitioniert, aber doch gewaltig holprig in ihr Set. Zunächst dachte ich, der Operner wäre ein Line-Check. Was da plötzlich kam, war schwammig und eher Core-lastig, doch VANITAS kriegten sich schnell in den Griff und boten überraschend hochwertige Genrekost, die dank ihren Keyboards nicht selten an DARK TRANQUILLITY erinnerten und durch leicht folkige Melodien, aber auch Truppen wie ENSIFREUM in den Sinn kommen ließen. So schaffen sich die Oberösterreicher schon jetzt einen relativ eigenständigen und eingängigen Sound. Fronter Zwingl zeigte zwar noch dezente Nervosität bei den Ansagen, hatte aber stimmlich alles im Griff und überzeugte durch verschiedenste Growl-Varianten, die zum Großteil in Deutsch gehalten sind. Dass die Jungs und das Mädel gewaltig motiviert sind, konnte man ihnen nicht nur von den Gesichtern ablesen, sondern auch daran, dass diese die größte Fangemeinschaft des Abends mobilisieren konnten, auch wenn in der Zuckerfabrik durchaus noch genügend Platz gewesen wäre.





Setlist VANITAS:

Die Furcht Vor Der Freiheit
Mein Schatten
Faces
Trugbild
Aufbruch
Wolkentanz
VaeVictis!
Verfall

Nach einem Umbau folgten ANDERWELT, die auch vor nicht allzu langer Zeit zu sehr später Stunde in der Stadtwerkstatt noch für dichte Atmosphäre sorgten. Und auch hier sollten die düsteren Post-Metaller mit ihrem einzigartigen Sound die, leider etwas geschrumpfte, Meute in den Bann ziehen. Allem voran war einmal mehr die perfekt durchinszenierte Show, sowie der grandiose Cello-Sound, der ANDERWELT zu etwas Besonderem macht und für diverse Gänsehautmomente sorgte. Aber auch der Wechsel zwischen den düster-atmosphärischen Parts und den heftigen Post-Black Metal Einlagen, auch durch Blast-Beats durch die niederbayrische Unterstützung hinter den Kesseln, hatten die Oberösterreicher perfekt im Griff. Der Jubel und Applaus war dementsprechend nach jedem Song euphorisch und lautstark. Auch der Sound war zu diesem Zeitpunkt perfekt und glasklar, so dass die teils brutalen, teils wieder sehr emotionalen Growls von Phil bestens zum Tragen kamen. Die Zeit verging wie im Flug und die lauten Zugaberufe konnten leider nicht mehr beantwortet werden, denn der Headliner des Abends stand bereits in den Startlöchern.





Setlist ANDERWELT:

Enlightment
Winter Of 68
Evacuation
Trinity Of Decay
Of Wolf And Moon


Richie Krennmaier und seine Jungs von JACOBS MOOR starteten nicht minder motiviert auf die Bühne und ballerten mit „Watching Atrocities“ schon den ersten neuen Hit raus, ehe man sich kurz vorstellte und ausgiebig über die nicht relativ vielen Zuschauer freute, da das nicht selbstverständlich ist, dass so viele bis zu diesem Zeitpunkt durchhielten. Die, die eben noch nicht die Heimreise antreten wollten, wurden dafür aber auch belohnt. Der Mix aus Power Metal, Thrash und melancholischen Unterton steht den, hauptsächlich in Amerika ansässigen Vorreitern des Genres in nichts nach, den egal ob der neue Titeltrack, ältere Kracher wie das hymnische „Faceless Man“ oder auch der eine odere andere Songs von der EP „The Evil In Me“ - jedes Stück wurde lautstark von den Fans abgefeiert und setzte sich mühelos in den Köpfen fest. Stimmlich war Richie bestens in Form und auch die restliche Mannschaft gab wie immer alles um die Kontraste aus hymnsich-eingängig bis hin zu brutal und thrashig adäquat auf der Bühne umzusetzen.





Der Fronter gab sich etwas redseliger als seine Vorredner, trotzdem sprach vor allem das starke Songmaterial der Wiener für sich. Auch hier verging die Zeit viel zu schnell und so ging ein Abend mit drei mehr als souveränen Bands aus verschiedensten Stilrichtungen zu Ende. JACOBS MOOR bewiesen einmal mehr, dass sie international keine Vergleiche zu scheuen brauchen und wohl immer noch eines der wohlbehütetsten Geheimnisse Österreichs sind. Man kann nur hoffen, dass sich das bald ändert und man die sympathische Truppe öfter wo zu Gesicht bekommt.





Setlist:

(March Of The Flies)
Watching Atrocities
The Absence Of Me
Faceless Man
Self
The Evil In Me
Away
Hate Of A New Kind
Distance
Final Sound
The Truth


Aber auch ANDERWELT und VANITAS konnten jeweils auf ihre ganz eigene Weise an diesem Abend ein großes Ausrufezeichen setzen und sind deshalb sicher in nächster Zeit öfter auf den Bühnen in unserem Land zu erleben. Hoffentlich finden dann auch ein paar mehr Metalheads in die jeweilige Konzert-Location. Empfehlenswert wäre es auf jeden Fall!


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Beitrag vom 13.11.2017
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