INFERNO FESTIVAL: HAIL SPIRIT NOIR   SARKOM   SLEGEST   SULPHUR   DREAMARCHER  
12.04.2017 @ Oslo

Wie man bereits dem üppigen Programmheft entnehmen konnte, entfliehen die Osloer zu Ostern aufs Land zum Skifahren und ähnlichen Vergnügungen.
Damit wird in der Stadt genug Platz, um den einströmenden schwarzen Horden Raum zu bieten, die es um diese Zeit jedes Jahr in die norwegische Hauptstadt zieht.

Bereits zum 17. Mal fand in Oslo das Inferno Festival statt, zu dem viele kamen um ordentlich abzufeiern. Es ist halt immer die Frage ob dieser Termin gut oder schlecht ist. Gut deshalb, weil die meisten zu dieser Zeit frei haben, schlecht auf der anderen Seite, weil die Norweger wie verrückt Ostern feiern und ab Gründonnerstag fast alles geschlossen hat.

Wer ein bisschen an Geschichte interessiert ist, der kann sich in Oslo großartige Museen zu Gemüte führen, die Stadt besichtigen oder mit der U-Bahn auf den Holmenkollen fahren. Also langweilig wird einem auf keinen Fall! Zumindest der öffentliche Verkehr funktioniert auch zu dieser Zeit.

Das Inferno Festival ist DAS Festival für Freunde des Black Metals – diese werden hier bestens bedient, aber auch andere Genres wurden im Billing nicht vergessen. Die Veranstalter bemühen sich jedes Jahr, einzigartige Bands nach Oslo zu holen, um den Leuten beste Unterhaltung zu bieten, und auch dieses Jahr war es nicht anders.

Hier ein paar Fakten rund ums Festival:
Nach Oslo kommt man am besten mit dem Flugzeug, und vom Flughafen aus fahren regelmäßig Busse oder Züge in die Innenstadt. Der Veranstalter bot den Besuchern ein eigenes Festivalhotel an, – dieses Mal war es das Scandic St. Olavs plass, weil das bisherige Hotel renoviert wird. Die Übernachtungspreise sind für Oslo normal bzw. günstig, die Zimmer sind schöick, und auch die meisten Musiker übernachten dort. Das riesige Frühstücksbuffet ließ keine Wünsche offen, und die Frühstückszeiten wurden für die Festivalbesucher bis 12.00 ausgedehnt. Vom Festivalhotel aus kann man in relativ kurzer Zeit zu Fuß alle Locations des Inferno Festivals erreichen. Im Hotel bekam man auch die Festivalbändchen und ein Stoffsackerl mit ein paar kleinen Präsenten. Im glasüberdachten Innenhof waren auch Merchstände und an einem Nachmittag wurde auch eine Versteigerung durchgeführt. Dieser Innenhof und die Hotelbar waren auch Treffpunkt zwischen Fans, Presse und Musikern, und damit immer belebt.

Die Hauptlocations sind das Rockefeller und das John Dee, die miteinander durch einen Gang verbunden sind. Das Rockefeller ist offenbar ein ehemaliges Theater, wie man an den Galerien erkennen kann, und fasst gut 1000 Leute. Das John Dee ist deutlich kleiner – hier passen rund 400 Besucher hinein. Es werden abwechselnd beide Locations bespielt, sodass man wirklich alle Bands sehen kann. In diesen beiden Locations bekommt man auch gratis Wasser angeboten – falls einem das Bier um ca. 10 Euro für 0,4 Liter zu teuer ist. Auf dem Dach des Rockefellers konnten die Raucher ganz gemütlich ihrem Laster frönen, allerdings musste man sich dieses Vergnügen mit dem Bewältigen unzähliger Stufen regelrecht verdienen. Verpflegung am Festival gab es dieses Jahr nicht sehr viel, nur einen Stand, an dem Popcorn, Waffeln oder Waffeln mit Würstchen feilgeboten wurden. Eine seltsame Zusammenstellung, die jedoch durchaus schmeckte.

Der erste Festivaltag – Mittwoch – war traditionellerweise der „Club-Tag“, das bedeutete, dass in einzelnen kleineren Clubs gespielt wird. Den Startschuss bildete jedoch die „Indie Recordings Label Night“, die in den letzten Jahren immer in einem der Clubs stattfand, dieses Mal wurde jedoch ein Meeting-Raum im Hotel dafür genützt. Dort nahmen DREAMARCHER um 17.45 Aufstellung, um die Leute erst mal richtig in Stimmung zu bringen. Das norwegische Quartett veröffentlichte erst kürzlich das Debüt-Album, kam aber dank ihres Labels bereits in ganz Europa herum, als sie Opener bei der letzten KAMPFAR-Tour sein durften. So fanden sich schon viele Leute im mit Kerzenleuchtern verzierten Stehtischchen ausstaffierten Saal ein, um der jungen Truppe zu lauschen, die sich bei ihrem Gig in Rotlicht und Nebel hüllte, um so die atmosphärischen Töne noch zu intensivieren. Zu den druckvollen Sounds mit vielen melodischen Einlagen gab es dreierlei Gesang in unterschiedlichen Nuancen, an denen sich sogar der Drummer beteiligte. Nach nur wenigen Titeln verabschiedeten sich die Jungs unter viel Applaus aber schon wieder von der niedrigen Bühne und entließen die Leute in Richtung Clubs.





Setlist DREAMARCHER:

Inside
Savages
Impending Doom
Burning The Remains
Close Your Eyes


Trotz schlechter Wetterprognose machten sich die Leute so nach und nach auf den Weg zu den einzelnen Club-Locations. Ich entschied mich für den Club Blå, dessen Gastgarten seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren mit einer großen Plane überdacht wurde, was sich an diesem Abend als Volltreffer erwies, da irgendwann doch der Regen einsetzte.

Nicht nur ich hatte diese Idee, und so konnten sich SULPHUR bereits über eine ansehnliche Anzahl Besucher freuen. Die norwegischen Black/Death Metaller blicken schon auf eine lange Bandgeschichte zurück, und veröffentlichten zuletzt 2016 ein neues Album mit dem Titel „Omens Of Doom“, aus dem an diesem Abend einige Tracks in die Setlist fanden. Die Truppe präsentierte sich meist von der sehr harten Seite, fügte aber auch einige melodische Elemente ein. Sänger Thomas Skinlo Høyven steuerte einen Mix aus schreienden und dann wieder tiefen, aggressiven Vocals bei, die gelegentlich pure Bösartigkeit ausdrückten. Die durchaus rhythmischen Sounds wären zwar eigentlich perfekt zum Mitbangen geeignet gewesen, aber viel mehr als Mitnicken war leider nicht drin. Aber nachdem SULPHUR selbst aus Norwegen stammen und damit wissen, dass das heimische Publikum eher stoisch zuhört, wurde das sicher nicht falsch verstanden. Jedenfalls lieferten SULPHUR einen sehr gelungenen Gig ab, der viel Beifall einbrachte.





Setlist SULPHUR:

Force Of Our Fall
Spilt Blod Og Brente Knokler
The Devils Pyre
Plague And Pestilence
A Crimson Line
Omens Of Doom
Gathering Storms
Alt Svartner


Auch die nachfolgende Band stammt aus Norwegen. Die Black / Doom Metaller SLEGEST hatten mit „Vidsyn“ ebenfalls ein neues Album im Gepäck, das den Großteil des Live-Sets ausmachte. Bei einem sehr eigenwilligen, gesprochenen Intro stapften die Musiker auf die Bühne, und obwohl der doomige Eindruck stets vorhanden war, zeigten sich die Norweger doch von der harten Seite. Sänger Stig Ese fügte tief krächzende Vocals bei und machte auch viele Ansagen, die ich mangels Norwegisch-Kenntnissen leider nicht verstand und zur Überleitung zwischen den einzelnen Titeln gab es Einspielungen vom Band. Alle Tracks zeigten sich stark von der groovenden Seite mit tollen Gitarrenriffs, die auch stellenweise harte Black Metal-Sounds enthielten. Bassist Håvard Ese zeigte sich sportlich und turnte die ganze Zeit auf der Bühne herum, wohl um die Leute zum Mitmachen zu motivieren. Das Publikum ließ sich nur allzu gerne mitreißen. So konnten sowohl die Fans, als auch die Band einen sehr positiven Eindruck von diesem Gig mitnehmen.





Setlist SLEGEST:

Som I Eit Endelikt
Dirt Life Death
Wolf
Komfortabelt Nummen Midtvekes
Rooted In Knowledge
Du
Wall Painted Black
I Fortida Sitt Lyd
Ho Som Haustar Aleine
Løgna Sin Fiende


Nachdem die beiden ersten Bands auf optische Veränderung verzichteten, war der Kontrast zu SARKOM gewaltig. Die norwegischen Black Metaller präsentierten sich in düsterem, blutbesudelten Corpsepaint, abgerissenen Klamotten und mit langen Nägeln an den Armmanschetten, vor denen ich beim Fotografieren aufgrund der niedrigen Bühne eine Heidenangst hatte. Die Beliebtheit dieser Band zeigte sich an der vollen Hütte, und alle gingen von Anfang an begeistert mit. Da nahmen es die Leute sogar in Kauf, dass der Sänger Unsgaard erst einmal eine Ladung Wasser ins Publikum spuckte. Zur knochenharten, bretternden Spielweise gab es auch die ein oder anderen gemäßigteren Einlagen, die zum Mitbangen einluden. Unsgaard ließ dazu aggressive Growls ertönen, und heizte den Leuten zusätzlich ein. Eine Besonderheit gab es bei „Black Metal Necrophilia“, wo sich Sorath Northgrove von der mittlerweile nicht mehr existierenden Band BEASTCRAFT an den Vocals beteiligte. Wie beliebt diese Band in Norwegen ist, wurde auch am nächsten Tag deutlich, als in den Norwegischen TV-Nachrichten ein Bericht über das Inferno Festival kam, der ein Interview mit den Jungs enthielt.





Setlist SARKOM:

I Call Your Name
Previous Associates, Now As Targets For The Gun
Doomsday Elite
I Utakt Med Gud
Mind-Abscess
The Chosen One
Black Metal Necrophilia (feat. Sorath Northgrove from BEASTCRAFT)
Bestial Supremacy
Exit Terra


Den Abschluss bildete die einzige nicht-norwegische Band des Abends. HAIL SPIRIT NOIR stammen aus Griechenland, und sind Vertreter des Progressive Black Metals – somit ein extremer Kontrast zur Band davor. Bereits das auf der Bühne aufgebaute Keyboard verwies auf wesentlich weichere Sounds, die folgen würden. Bei wenig Licht und viel Nebel kamen die Musiker auf die Bühne, Sänger Theoharis erschien im eleganten Jackett, und ergänzte mit einem Mix aus cleanen Vocals und lauten Screams, theatralisch gestikulierend die teils verträumte Musik. Durch das Keyboard entstand ein mystischer, gelegentlich orientalisch angehauchter Soundteppich, der von gelungenen Gitarrenriffs ergänzt wurde. Alles in allem sehr schöne Musik, die deutlich mehr Besucher verdient hätte, als noch anwesend waren, aber der Kontrast mit dem knallharten Black Metal war vermutlich zu groß, und vielleicht auch die Bekanntheit der Griechen ein bisschen zu gering. Diejenigen die blieben hatten jedoch einen wunderbaren Ausklang des ersten Tages.





Setlist HAIL SPIRIT NOIR:

I Mean You Harm
The Cannibal Tribe Came From The Sea
Mayhem In Blue
Satan Is Time
Oi Magoi
Riders To Utopia
Haire Pneuma Skoteino


Weblinks:
www.facebook.com/Hail-Spirit-Noir
www.facebook.com/sarkom
www.facebook.com/slegest
www.facebook.com/SULPHURBAND
www.facebook.com/dreamarcherofficial


FOTOS + E-CARDS
www.infernofestival.net/no/Festival

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Beitrag vom 18.05.2017
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