DUNKELHEIT 2007 - TAG 2  
01.09.2007 @ Svatoboj, Brünn, Tschechische Republik

…ein krächzendes, wütendes Liedchen: Da EWIG FROST mit Visum-Problemen an der Grenze hängen bleiben (und III schon im Vorfeld abgesagt haben), legen die Polen IPERYT los: Wummernder, technoider Drumcoputer-Groove gepaart mit Twin-Kreisch-Grunzen. Es folgen die seit dem letzten Gig zweigitarrig sägenden Wiener MISANTHROPIC MIGHT, die erfolgreiche Uptempo-Black-Granaten ins Publikum feuern.

KULT aus Italien halte ich auf Scheibe für eher belanglos, aber es lässt sich nicht leugnen, dass der minimalistisch-anachronistische Sound live durch Authentizität besticht. Tatsächlich scheint auch ein nicht geringer Teil des Publikums massives Interesse an der Band zu haben. FUNERAL PROCESSION verlieren dann gegen mein Abendessen; auf dieses schlägt dann die eiskalte Monotonie von STORMNATT. Obwohl sich die Band über einen Schnitzer ärgert, entfacht das monumentale Bühnenbild mit Kuttenträgern, gepaart mit dem schmerzverzerrten Endzeit-Sound, ein wahres Inferno.

Ebenfalls herausragend sind die deutschen GEIST: Technisch anspruchsvoll, voller verzwickter Ideen, dabei sehr sehr stimmungsvoll – so muss moderner Black Metal klingen! Erinnern mich teilweise an die glorreichen Landsmänner von HELRUNAR. ETERNITY gehen es da deutlich konservativer an, werfen aber dennoch ein schweres Gewicht in die Arena, von dem die Frontsau gleich mal 90% ausmacht.

Zwei Mann-Minimalismus wird folgend von MORRIGAN geboten, aber es kann nicht jede Kondens-Combo (weniger Band ist schon Alleinunterhalter) die Klasse von INQUISITION erreichen. Dennoch gefällt’s den meisten. INFERNAL WAR aber sind eine Abrissbirne, die sich vor Bands vom KRISIUN & Co.-Kaliber nicht verstecken muss: Getrieben vom unmenschlichen HATE-Drumtier walzt ein Black-Death-Inferno alles weg, was nicht niet-und nagelfest ist. Damit setzen die Polen meinen persönlichen musikalisch-brachialen Höhepunkt.

„Hello, I’m God, haha!“ – meet Kvarforth samt seinen SHINING. Da wieder mal schwer erledigt im Krankenhaus (zumindest angeblich), ist bis zuletzt unklar, ob sie überhaupt spielen werden, aber er kommt dann doch – und lacht, während er sich mit der Klinge malträtiert. Außerdem wühlt er im Hosenstall, besabbert sich mit Blut, wälzt sich auf der Bühne. Und schüttelt eben mal der Security freundlich die Hand, als er nichts zu singen hat. Die Band ist technisch topfit und produziert glasklare Abbilder von Highlights aus allen Veröffentlichungen, wirkt dabei aber mehr als hüftsteif. Letztlich ist „Suicide Jazz“ auch nicht wirklich die Abbang-Musik, und SHINING müssen sich mit ziemlich mäßigen Publikumsreaktionen begnügen. Das liegt aber wohl auch daran, dass die Erwartungshaltung auf die kränkste Show überhaupt kaum erfüllt werden kann – dazu müsste sich Mr. Niklas Kvarforth wohl die Gedärme herausreißen und sie dabei selbst fressen; oder sich zumindest mit ein paar Co-Sängern prügeln wie beim legendären Halmstad-Gig.

SILVA NIGRA knüppeln die erledigten Reste aus den Svatoboj-Hallen, und man ist im doppelten Sinne fertig, um in der tschechischen Dunkelheit zu verschwinden. Das Festival aber wird als Erfolg in Erinnerung bleiben.


FOTOS + E-CARDS
www.dunkelheit-festival.net/

marian
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Beitrag vom 05.09.2007
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