INQUISITION   MERRIMACK   STORMNATT  
24.03.2005 @ Viper Room

Zur angegebenen Startzeit um 20.30 Uhr hatte sich schon ein ansehnlicher Haufen Anhänger der schwarzen Künste vor dem Monastery versammelt, doch es sollte bis 21.30 Uhr dauern, bis sich die Tore öffneten, und bis 22 Uhr, bis die Show endlich beginnen durfte. Das gab Anlass zum Genuss von Kebab und Dosenbier, was sich auch als notwendige Stärkung erweisen sollte, denn der Abend wurde erfreulich intensiv.

Die einheimischen STORMNATT lieferten einen sehr direkten Einstieg in das Vergnügen, sprich: hatten von Anfang an volles Haus und gute Reaktionen. Der dynamische Dreier in der minimalistischen Konstellation Vocals, Gitarre und Drums zeigte sich begeistert bei seiner unheiligen Sache, und drosch dem Publikum äußerst rohen, ursprünglichen und derben Black Metal um die Ohren, der sowohl tödlich aggressiv als auch sehr schmerzvoll und verzweifelt wirkte. Das blutverschmierte Äußere von STORMNATT komplettierte den abgefuckten Eindruck, und der Sänger gab mit ekstatischen Posen und wahnsinniger Mine den perfekten Black-Metal-Psychopathen – hätte mich nicht überrascht, wenn er unvermittelt, mit eiskaltem Lächeln, eine Waffe gezogen hätte, um ein kleines Massaker zu veranstalten. Aber Spaß beiseite, das Publikum hatte er wirklich gut in der Hand, und so standen STORMNATT trotz ihrer Opener-Position dem Headliner an Erfolg beim Publikum um nichts nach.

Doch zunächst wurde es französisch, und MERRIMACK enterten die Bühne. Auch in Corpsepaint und Nieten, aber letztlich doch deutlich zahmer – und an der Zuhörerschaft ziemlich desinteressiert wirkend. Zudem wirkte die mit fünf Mitgliedern großzügiger bestückte Band anfangs etwas untight und nicht ganz bei der Sache. Doch im Laufe ihres Auftritts steigerten sich MERRIMACK erheblich und zeigten mit aggressiven Kompositionen ordentlich Zähne. Entsprechend füllte sich der Bereich vor der Bühne wieder etwas, wenn auch weit weniger als bei STORMNATT – und der Basser ließ es sich nicht nehmen, sich während der Show eine Zigarette anzuzünden. Abgeschlossen wurde mit einem apokalyptisch anmutenden Kriecher-Stück, das langsamer und langsamer wurde, bis zum völligen Stillstand. Der Sänger zeigte dem Monastery den Mittelfinder, und so verschwanden MERRIMACK.

Also ganz anständig, INQUISITION waren in meinen Augen aber doch erheblich besser. Die Exil-Kolumbianer sind gar nur zu zweit, Drummer und Schreihals mit Gitarre, doch sie konnten eindrucksvoll beweisen, dass das auch völlig ausreicht. Die beiden wirken verdammt gut aufeinander eingespielt, und so donnerte der archaische Schwarzstahl INQUISITIONS äußerst überzeugend auf die Meute nieder. Der Sound war, wie bei den vorherigen Bands übrigens auch, recht gut, ausreichend klar und ausgewogen, aber doch räudig genug, um dem Geist des Black Metal gerecht zu werden. Die Kompositionen INQUISITIONS zeigten sich erfreulich kraftvoll, abstoßend rau, aber doch sehr mitreißend, und die Nacken wurden nicht müde, sich zu beugen. Und die kranke Stimme, die gepresst und entrückt klang, veredelte den Auftritt zu einem besonderen Black-Metal-Erlebnis.

Kurz vor ein Uhr war Schluss und ein erfolgreiches Konzert besiegelt: Das Interesse an den Bands war erheblich, die Gekommenen zahlreich, und die Stimmung gut. Außerdem war erfreulich, dass wieder einmal exotische Kapellen dabei waren, die man sonst nicht so leicht zu Gehör bekommt.


marian
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Beitrag vom 02.04.2005
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