Interview mit ERADICATOR - Keine Moralapostel


Die Jungs von ERADICATOR haben mit "Into Oblivion" ein echtes Thrashbrett mit allem was dazu gehört abgeliefert. Erneut geht es mit GODSLAVE auf Tour und sonst tut sich auch einiges in der deutschen Band. Wir haben nachgefragt und Sebastian "Seba" Stöber, seines Zeichens Gitarrist und Sänger der Truppe hat geantwortet.


Hey Jungs, freut mich, mit euch sprechen zu dürfen. Was läuft aktuell bei ERADICATOR?


Seba: Hi Max, das Vergnügen ist ganz auf unserer Seite! Aktuell läuft es sehr gut. Die neue Scheibe wurde gerade veröffentlicht und unsere Tour hat begonnen. Euphorischer könnten wir gar nicht sein!




Könnt ihr die Band kurz vorstellen, für diejenigen, die euch bisher noch nicht kennen?


Seba: Gerne! Wir kommen aus NRW, spielen Thrash Metal und haben mit „Into Oblivion“ nun unser viertes Album am Start. Gegründet haben wir uns 2004, im zarten Alter zwischen 14 und 15 Jahren. Seitdem machen wir die Bühnen der Nation unsicher! [Haha]


Ihr habt einen recht aggressiven Bandnamen. Wie seid ihr auf diesen gekommen und passt der einfach zum Stil oder gibt es da eine tiefere Bedeutung?


Seba: Den Namen ERADICATOR hat sich Zoppe unser Bassist damals in der Gründungszeit ausgedacht. Eine tiefere Bedeutung hat der Name nicht. In der Zeit haben wir auch noch keine eigenen Songs gespielt. In den ersten ein bis zwei Jahren als Band haben wir vor allem mit Cover-Versionen unseren Helden nachgeeifert, auch um uns als Musiker und Band zu finden und zu entwickeln. Der Bandname passte gut ins Bild der Kapellen, deren Songs wir nachspielten. Das waren ganz zu Beginn JUDAS PRIEST, MANOWAR, DIAMOND HEAD, später dann METALLICA, KREATOR, ANNIHILATOR, MEGADEATH… Alles worauf wir Bock hatten.


Euch gibt es ja bereits seit 14 Jahren, wenn ich mich nicht irre. Mit „Into Oblivion“ habt ihr jetzt euer viertes Album veröffentlich. Keine große Ausbeute. Woran lag das?


Seba: Unseren ersten Output hatten wir im Jahr 2007 mit unserer Demo EP „Back To The Roots“. Seitdem haben wir kontinuierlich Alben veröffentlicht. Unser Debüt „The Atomic Blast“ kam 2009, „Madness Is My Name“ 2012, der Nachfolger „Slavery“ im Jahr 2015 und nun, 2018, „Into Oblivion“. Ich denke, das ist eine respektable Schlagzahl.
In den Jahren vor der Demo mussten wir uns als Musiker und Band natürlich erst einmal finden; Erfahrung sammeln und lernen die Instrumente zu beherrschen. Zoppe (Bass) und Pitti (Drums) haben ihre Instrumente quasi mit der ersten Bandprobe angefangen richtig zu lernen. Ganz zu Beginn waren wir auch nur zu dritt und hatten keinen Sänger. Nach einigen Besetzungswechseln habe ich selbst erst 2008 neben der Gitarre den Gesang übernommen. Robb ist seit 2010 dabei!



Auch wenn die Quantität nicht mächtig ist, dafür stimmt auf jeden Fall die Qualität. Wie ist „Into Oblivion“ entstanden?


Seba: Der Songwriting-Prozess setzt bei uns eigentlich nie aus. Nachdem wir 2015 das Album „Slavery“ veröffentlicht hatten, standen schon einige Ideen für neue Songs. Ab Mitte 2016, als die Pläne für das neue Album konkreter wurden, haben wir so lange an den besten Ideen getüftelt, bis wir selbst zufrieden waren und die für uns passende Anzahl an Songs am Start hatten.


Wie teilt ihr euch generell die Arbeit in der Band?


Seba: Da wir inzwischen nicht mehr zwischen 14 und 15 sind [haha], gehen wir alle Jobs nach oder studieren. Daher wohnen wir nicht mehr zentral zusammen, sondern sind in der Weltgeschichte verstreut. In den Anfangstagen der Band haben wir teilweise vier- bis fünfmal die Woche geprobt. Heutzutage kommen wir aber immerhin noch auf 2-3 gemeinsame Termine im Monat! Das hat natürlich auch die Herangehensweise beim Komponieren beeinflusst. Zoppe und ich waren schon immer die Songwriter, wobei Robb (Gitarre) und Pitti auch immer Einfluss auf das Material hatten. Seit „Slavery“ hat sich das etwas verschoben und so bin ich heute für fast alle Songs verantwortlich.


Was wollt ihr mit dem Titel und dem Artwork ausdrücken?


Seba: Die Kombination der Bildelemente des Covers soll natürlich auch zur eigenen Interpretation anregen. Das Allsehende-Auge ist das Symbol der Weisheit und Allwissenheit. Kann zum Beispiel Wahrheit symbolisieren. Die Schlange ist hier der harte Kontrast, da sie klassischer Weise für die Lüge steht. Untermauert wird dies von den vier Augen, die in andere Richtungen blicken können. Die monumentale Architektur soll in gewisser Weise Erhabenheit repräsentieren. In Verbindung mit dem Titel soll es bedeuten, dass die Wahrheit, Fakten und Wissen in unserer Gesellschaft mehr und mehr in Vergessenheit geraten.




Wo seht ihr die Unterschiede zu vorangegangenen Werken?


Seba: Der offensichtlichste Unterschied zu unseren älteren Alben ist die Produktion. Denn zum ersten Mal haben wir mit Martin Buchwalter einen neuen Producer an unserer Seite gehabt. Nach vier Produktionen mit Jörn Michutta war es einfach an der Zeit für uns was Neues zu wagen und die gewohnten Strukturen zu durchbrechen. Das hat uns vor allem neue Erfahrungen und einen tollen Sound beschert!


Mit „Doomsday“, oder „Wake Up To War“ habt ihr recht typische Thrash-Themen. Was inspiriert euch für die Texte?


Seba: Wenn ich Lyrics für neue Songs schreibe, versuche ich aus vielen unterschiedlichen Dingen Inspiration zu ziehen. Das ist oft aktuelles Zeitgeschehen, das was einen täglich auf der Welt und in den Medien umgibt. Es kann aber auch die Musik an sich sein!
Interessant, dass du gerade diese beiden Songs ansprichst, da deren Thematik eng verschlungen ist. „Doomsday“ handelt von der gegenwärtigen Gefahr, dass durch Ignoranz und Vorurteile furchtbare Fehler der Vergangenheit wiederholt werden könnten. Wir dürfen uns nicht zu Marionetten von hasserfüllten Ignoranten machen lassen, die nur ihre eigenen Vorteile im Blick haben und uns was von einem neuen Nationalismus erzählen wollen. Fuck it! „Wake Up To War“ handelt von einer Person, die eines Morgens aufwacht, und deren Heimat sich in ein Kriegsgebiet verwandelt hat. Quasi über Nacht. Der einzige Ausweg und Chance zu überleben ist es alles zurückzulassen und zu fliehen.



Die Themen scheinen grundsätzlich sehr ernst, „Moshproofed“ hingegen deutet einfach auf Spielspaß hin. Wolltet ihr diesen Gegensatz bewusst?


Seba: Uns ist es wichtig Spaß an der Musik zu haben! Wir wollen keine Moralapostel oder ähnliches sein. Dazu ist es natürlich auch wichtig sich nicht zu ernst zu nehmen, dafür sind die Lyrics von „Moshproofed“ ein gutes Beispiel. Das soll einfach nur Bock auf Metal machen und unterhalten!


Gibt es auf musikalischer Ebene bewusste oder unbewusste Einflüsse? Egal ob Bands, oder aus anderer Richtung.


Seba: Natürlich gibt es Einflüsse. Beides, bewusst und unbewusst (gehe ich mal von aus). Musik hat in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert. Ich gehe auf viele Konzerte, nicht nur Metal, und sauge da natürlich viele Eindrücke auf! Durch diese Einflüsse habe ich mich in den letzten Jahren als Musiker und Komponist weiterentwickelt.
Nicht zu verleugnen sind natürlich unsere Einflüsse aus dem Thrash. Klar, haben wir eine besondere musikalische Affinität zum Bay Area Sound oder den etwas technischeren Deutschen Vertretern wie DESTRUCTION oder KREATOR. Wichtig ist es uns aber immer, eine eigene Mischung zu kreieren und keinesfalls plump abzukupfern, um unseren Songs eine gewisse Eigenständigkeit und Daseinsberechtigung zu verleihen.





Ihr habt zu „Read Between The Lies“ ein Video gedreht. Wie waren die Aufnahmen und was wollt ihr mit dem Clip erreichen?


Seba: Genau, es ist sogar unser erster richtiger Videoclip. Als sich die Möglichkeit zur Produktion ergeben hat, haben wir diese direkt wahrgenommen! Das war eine tolle, intensive und anstrengende Erfahrung. Wir haben alle Einstellungen an einem Tag abgedreht, in etwa zehn Stunden. Zuerst haben wir die Performance aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Dazu haben wir den Song in unterschiedlichen Kombinationen etwa 25 Mal gespielt. Das war echt heftig. Natürlich, weil wir bei jedem Durchgang alles gegeben haben!
Der Songtext ist inspiriert von Korruption und Lobbyismus in der heutigen Politik und passt auch sehr gut zur Thematik „Fake News“, obwohl das Thema erst aufgekommen ist, nachdem ich den Text geschrieben habe. Auf der einen Seite symbolisiert unser Schauspieler dies. Die anschließende Waterboarding Szene ist eine Anspielung auf den Song „Drown The Truth“. Dort geht es um besagte „Verhör-Methode“. Der Titel sagt ja deutlich, wo die Reise hingeht.



Ihr seid bald erneut mit GODSLAVE unterwegs. Was verbindet euch mit der Truppe?


Seba: Inzwischen eine gut fünfjährige gemeinsame Geschichte. Die ist natürlich darin begründet, dass wir einander musikalisch und menschlich sehr schätzen und gerne Zeit zusammen verbringen. Uns vereint ein gewisser Grad an Professionalisierung in unserem Hobby. Den Anspruch, wie wir unsere Bands präsentieren und die Herangehensweise ans Musik-Business sind sehr ähnlich. Und deshalb bündeln wir gerne unsere Geschicke, um uns gegenseitig zu stärken!


Apropos GODSLAVE, die Jungs haben die eine oder andere Frage für euch:
Gibt es Momente oder Erlebnisse die ihr mit GODSLAVE erlebt habt, die euch wirklich zusammengeschweißt haben?



Seba: Abgesehen von den Erlebnissen, die einem auf Tour widerfahren, hat uns ganz klar das neue Label „Green Zone Music“ zusammengeschweißt. Wir sind nun in der Lage noch mehr Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und profitieren von den Erfahrungen des jeweils anderen. Auch die Tour-Erfahrungen, die man zusammen macht, stärken das Band zwischen den Bands!


<Und außerdem interessiert die Band welche Haarpflege-Produkte nutzen die Stöberbrüder bei ihrer Afro-Mähne?



Seba: Haha, das wollen sie sicher nicht aus Eigeninteresse wissen, bei ihren dünnen Zotteln! Pitti wäscht seine Haare mit Schauma-Shampoo und Syoss- Spülung und ich mit Guhl Ginkgo Jojoba, das heißt übrigens „Lockenkraft“. [haha]


Was erwartet ihr von der nächsten Tour, bzw. noch viel wichtiger: was erwartet die Fans?


Seba: Einen besonders actionreichen Ritt durch die Republik! Wir freuen uns vor allem auf die Reaktionen auf das neue Material! Wir sind sehr stolz auf „Into Oblivion“ und möchten die Songs nun endlich live präsentieren. Meiner Meinung nach fügen sie sich wunderbar ins Set ein. Wobei es bei inzwischen über 40 Songs nicht besonders einfach ist sich auf ein Set für eine knappe Stunde zu beschränken. Daher variieren wir von Abend zu Abend. Auf diese Art bleibt die Performance für beide Seiten spannend!


Gibt es sonst noch irgendwelche interessanten, lustigen oder sonst irgendwie interessante Tourstorys?


Seba: Die gibt es sicherlich! Aber am besten sollten die Leser zu den Shows der Tour kommen um selbst daran teilzuhaben!


Danke für die Zeit. Gibt es noch etwas zu sagen?


Seba: Vielen Dank für das Interview, hat mich sehr gefreut!


www.eradicator.com

Autor: maxomer
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Beitrag vom 04.04.2018
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