Interview mit BLACK MESSIAH - Freude am Wettern gegen das Christentum


Die deutschen BLACK MESSIAH sind ein Fixpunkt innerhalb der Pagan/Viking Metal Szene, und ihre Live-Gigs sind immer geprägt von Moshpits und bester Stimmung. Anlässlich des Erscheinens der neuen Platte „Walls of Vanaheim“ hatten wir die Gelegenheit dem Sänger Zagan einige Fragen zu stellen und wurden unter anderem über ihr neues Konzeptalbum sowie die kriminelle Zweckentfremdung der germanischen und nordischen Mythologie aufgeklärt und erfuhren warum sie partout keine Kirmeskapelle sind.


Hallo! Ich kenne euch ja schon seit ein paar Jahren, hab euch schon mehrfach auf der Bühne erlebt, und freue mich deshalb sehr, dir ein paar Fragen stellen zu können. Zuerst möchte ich bitten, dass du euch unseren Lesern ein bisschen vorstellt?


Gerne. Wir sind die Pagan/Viking Metal Band BLACK MESSIAH aus dem Ruhrgebiet in Deutschland, und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Leuten die alten Legenden und Geschichten der nordischen und germanischen Mythologie näher zu bringen. Des Weiteren haben wir auch immer Freude daran mal ein wenig gegen das Christentum zu wettern, und auch der Spaß an sich kommt bei uns nicht zu kurz. Musikalisch bewegen wir uns irgendwo zwischen symphonischem Black Metal, Folk Metal und Heavy Metal mit vielen klassischen Elementen. Zu unserer Truppe gehören unser Drummer Surtr, unser Bassist Garm, der Keyboarder Ask, der Gitarrist Pete und ich, Zagan. Ich bin verantwortlich für das Gebrülle, die Gitarre und auch die Violine.





Dieses Jahr feiert ihr 25jähriges Jubiläum! Wie ist es gelungen, die Band so lange am Leben zu halten?


Das stimmt nicht ganz, wir sind mittlerweile schon im 26. Jahr. Wir haben letztes Jahr im November eine große 25-Jahre BLACK MESSIAH Show in Oberhausen gemacht, bei der wir mit vielen ehemaligen Bandmitgliedern und einigen Gästen aufgetreten sind und drei Stunden Musik gemacht haben. Das war ein wirklich einzigartiger und grandioser Abend für uns. Die Halle war voll bis oben hin und die Stimmung war bombe. Tja, wie hält man eine Band so lange am Leben? Das ist eine gute Frage. Zunächst einmal ist es wichtig immer neue Ideen für Musik und Themen zu haben. Dann braucht es ein wirklich gutes Verhältnis zwischenmenschlich mit all denen die dabei sind. Dazu kommt dann noch Durchhaltevermögen und Herzblut. Ohne das geht es nicht. Dann ist es wichtig, dass man gesund bleibt und den Spaß an all dem nicht verliert. Das ist manchmal schwierig, denn das Business kann einen schon ab und zu richtig ankotzen. Das hat aber dann nichts mit der Musik zu tun.


Zuletzt sah ich euch beim Ragnarök Festival in Lichtenfels und die Stimmung bei eurem Gig war gewaltig. Wie hast du das erlebt?


Ja, das habe ich auch so empfunden. Es war brechend voll und ich hatte den Eindruck, dass die Leute in der Halle richtig Spaß an unserer Show hatten. Für uns war der Auftritt jedenfalls absolut geil. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man da oben auf der Stage stehen darf um für eine solche Horde zu spielen. Ich habe jeden Augenblick genossen. Das ist wie eine Droge, und ich freue mich jetzt schon wieder auf kommende Festivals.


Manche eurer Songs sind in Englisch, andere wieder in Deutsch. Wie entscheidet ihr, welche Sprache ihr verwendet?


Das geschieht zufällig. Meistens ist es ja so, dass man zuerst die Musik eines Songs fertig hat. Erst danach gehe ich an die Texte heran. Ich habe dann ein Thema im Kopf und fange einfach an Textfragmente zu formen die in die musikalischen Teile hineinpassen. Die kommen dann entweder auf Deutsch oder auf Englisch aus mir heraus. Ich plane das nicht. Es entscheidet sich eigentlich immer in dem Moment wo die erste Idee aufkommt.


Ihr seid berühmt für eure etwas derberen Hits wie etwa „Söldnerschwein“, „Sauflied“ oder zuletzt „Wildsau“! Wie schwer ist es dann, ernsthaftere Themen zu vermitteln?


Überhaupt nicht. Ich meine, es ist ja nun mal so dass diese derberen Hits den kleinsten Teil unseres musikalischen Schaffens ausmachen. Diese Songs sind als Auflockerung gedacht und nicht als Hauptaugenmerk. Wir sind ja keine Kirmeskapelle wie Klaus & Klaus. Wir haben ernsthafte Themen, und erzählen viele Geschichten der nordischen und germanischen Mythologie. Wir denken halt nur dass auch mal Spaß dabei sein sollte. Leute die uns auf das „Söldnerschwein“ und die „Wildsau“ reduzieren haben BLACK MESSIAH nicht im Ansatz verstanden.


Du spielst ja nebenher auch Violine! Wurdest du als Kind dazu gezwungen oder hast du immer freiwillig geübt?


Ja, ich bin in einem Ruhrgebiets-Arbeitslager groß geworden, in dem kleine Kinder mit Schlägen dazu gezwungen wurden, Musikinstrumente zu lernen ;)
Nee, mal im Ernst, ich habe freiwillig damit angefangen als Dreijähriger. Alles in Allem betrachtet habe ich auch meistens freiwillig geübt. Natürlich gab es auch mal Zeiten wo man weniger gemacht hat aber ich bin immer dabeigeblieben. Mir kommt heutzutage natürlich zu Gute, dass ich so früh damit angefangen habe. Musik hat mich schon immer fasziniert, und gerade das Erschaffen von neuen Songs macht mir verdammt viel Spaß. Sicherlich hätte ich früher auch noch mehr am Instrument tun können, aber man wollte ja auch seine Kindheit genießen und das habe ich getan. Wenn ich zurück blicke würde ich für mich sagen, dass ich da alles genau richtig gemacht habe. Ich hatte viel Spaß als Kind und eine wirklich schöne Kindheit…trotz der Violine ;)



Nun zu eurem neuen Album „Walls Of Vanaheim“! Offensichtlich handelt es sich ja um ein Konzeptalbum rund um die nordische Mythologie! Warum habt ihr euch dazu entschlossen?


Das ist ja nun für uns nichts Neues. „Walls Of Vanaheim“ ist der zweite Teil einer großen Geschichte. Den ersten haben wir ja in ähnlicher Art und Weise schon auf dem Album „First War Of The World“ erzählt. In der Nachbetrachtung damals muss man einfach sagen, dass die Geschichte noch nicht zu Ende war. Es war also logisch, dass dieses Album so irgendwann kommen musste. Entschlossen haben wir uns dafür, weil es eine große Herausforderung ist, eine komplette Geschichte musikalisch zu erzählen. Es bedeutet mehr Arbeit und mehr Herzblut. Dadurch liegt einem das Endergebnis auch mehr am Herzen als ein „normales“ Album. Es entsteht ein großes Ganzes und ich finde einfach dass es anspruchsvoller ist, als eine Aneinanderreihung einzelner Tracks die nichts miteinander zu tun haben, denn du darfst bei einem solchen Projekt den Roten Faden nicht verlieren. Das ist gerade in musikalischer Hinsicht nicht ganz so einfach. Die Songs müssen natürlich unterschiedlich sein, aber von der Charakteristik doch sehr verwandt. Das zeichnet ein gutes Konzeptalbum aus und ich denke, dass wir das mit „Walls Of Vanaheim“ auch geschafft haben.




Neben den Liedern gibt es auch immer einen Erzähler, der Geschichten rund um Odin erzählt. Warum sind die in Englisch gehalten und nicht in Deutsch?


Wir haben es bei diesen Passagen genauso belassen wie es auch schon auf dem ersten Teil der Geschichte war. Da die Songs zweisprachig sind haben wir uns für Englisch entschieden, weil es einfach internationaler ist und mehr Leute Englisch verstehen als Deutsch. So kann jeder deutsche Fan die Geschichte hören und verstehen, und auch jeder andere. Das war einfach eine rationale Entscheidung von uns.


Ist es euch wichtig, dass sich die Hörer mit dieser Mythenwelt beschäftigen, bzw. wollt ihr sie dazu animieren?


Ja, das ist ein großer Punkt in unserer Band. Es ist mir sehr wichtig, dass die Leute, gerade in Deutschland, wieder anfangen sich mit ihren Wurzeln zu beschäftigen. Die Mythen der alten Germanen sind nun mal unsere Wurzeln, das kann man nicht wegdiskutieren. Leider kennt sich hier fast niemand mehr damit aus, die Pagan Metal Fans jetzt mal ausgenommen. Die breite Masse bei uns in Deutschland hat nicht die geringste Ahnung davon. Das hat aber auch einen ganz einfachen Grund. Die Nazis der dreißiger und vierziger Jahre haben mit ihrer kriminellen Zweckentfremdung der germanischen und nordischen Mythologie die ganze Bewegung in ein Licht gesetzt wo sie überhaupt nicht hin gehört. Germanische und nordische Runen oder andere Zeichen zu nehmen, und ihnen faschistische und/oder rechtsradikale Bedeutungen anzudichten ist genau so, als würde ich das E nehmen und behaupten es würde für die Vernichtung der Welt durch Satan stehen.
Die gesamte Kultur unserer Ahnen wurde von diesen gehirnamputierten Idioten in den Schmutz gezogen. Das große Problem ist, dass unsere breite Bevölkerung das nicht versteht. Ich weiß nicht ob sie zu dumm oder zu ignorant dafür ist. Die Tatsache ist aber, dass es keine rechtsradikalen Germanen und Wikinger gab. Thor hätte jemanden wie Heinrich Himmler mit einem Blitz ausgelöscht. Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Gesellschaft das endlich versteht. Die Zerstörung unserer alten, germanischen Kultur durch diese Nazis ist eine große kriminelle Handlung gewesen. Sie haben sie nicht einfach zerstört, sie haben den Sinn dieser Kultur durch Lug und Trug ins Gegenteil verkehrt, und damit Verrat an unseren Vorvätern begangen. Wir, die wir uns in dieser Szene heute bewegen, leiden immer noch an den Folgen. Dafür, und für unzählige andere perverse Dinge, verachte ich diese Leute.



Was denkst du, können die Menschen aus diesen Sagen für ihr eigenes Leben mitnehmen?


Diese Sagen und Mythen sind eine Religion. Religion sollte Menschen Kraft und Vertrauen verleihen, sollte sie stark für ihr eigenes Leben machen und ein Leitfaden sein. Ich denke, dass auch diese Mythologie das durchaus kann. Wir haben es ja hier nicht mit einem Märchenbuch zu tun, sondern mit einer jahrhundertelang ausgelebten Religion. Ich weiß, dass viele Leute meine Worte belächeln und gerade unsere christlich geprägten Mitmenschen der Meinung sind, dass diese Sagen wohl längst überholt sind und vollkommen aus der Zeit. Die kann ich aber dann nur fragen, ob ein Typ der übers Wasser läuft, Tote wiederbelebt und in den Himmel fliegt glaubwürdiger ist, als ein Mann mit Kriegshammer der Blitze schießen kann…… Das ist natürlich extra jetzt stark vereinfacht dargestellt, trifft aber im Endeffekt genau das was ich damit aussagen möchte.


Wie lange habt ihr an diesem Album gearbeitet, und haben da alle daran mitgewirkt?


Wir haben etwa zwei Jahre an diesem Album gearbeitet. Wir haben uns extra die Zeit dafür genommen um auch alles reifen zu lassen. Diese Zeit hat es gebraucht und ich denke, dass das Ergebnis uns dahingehend auch Recht gibt. Es ist einfach so dass Qualität, besonders was den Sound angeht, nun mal Zeit braucht. Man muss vieles ausprobieren, und das kann unter Umständen Wochen und Monate dauern. Oftmals wird einem erst nach dieser Zeit klar, dass man sich mit einer Entscheidung auf dem Holzweg befand und dann muss man es halt nochmal anders machen.
Ja, an diesem Album haben wir alle aktiv mitgearbeitet. Jeder hat komponiert und eingespielt. Dieses Album ist eine Gemeinschaftsproduktion á la BLACK MESSIAH.





Möchtest du mir allgemein noch etwas über dieses Album erzählen?


Dieses Album besteht ja noch aus viel mehr als nur der darauf enthaltenen Musik. Ein Jahr vor dem Release haben wir ein großes Fotoshooting aus dem Boden gestampft. Also haben wir auf unserer Facebookseite einen Aufruf gestartet. Wir suchten Leute die über Wikingergewandung verfügten und Lust auf ein solches Event hatten. Es haben sich wirklich sehr viele gemeldet, und am Ende hatten wir eine Gruppe von 40 Leuten zusammen. Das schöne war, dass sich die wenigsten kannten, aber dieser Tag des Shootings so entspannt war als hätten sich alte Freunde wiedergetroffen. Das war wirklich begeisternd. Die Fotos hat der Tom Row gemacht und das Ergebnis ist wirklich geil. Im Nachhinein würde ich wirklich alles nochmal genauso machen.


Für nächstes Jahr sind ja bereits wieder einige Gigs geplant. Es wäre schön, wenn ihr dabei auch einmal nach Österreich kommen würdet. Ich weiß, das wäre ja geplant gewesen, aber dann wurdet ihr vom Veranstalter im Stich gelassen. Wie stehen die Chancen, dass ihr doch demnächst einmal hier spielt?


Die Chancen stehen gut. Wenn uns ein Konzertveranstalter haben will muss er sich nur bei uns melden. Wir waren ja schon ab und zu mal in Österreich und haben da immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich kann mich an einige feucht-fröhliche Abende bei Euch erinnern, und die würde ich zu gerne mal wiederholen ;)


Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?


Gesund bleiben, weiterhin gute Ideen für Songs haben, und immer wieder auf der Bühne stehen. Wir sind jetzt in einem Alter wo man schon vieles getan hat und es eigentlich mehr darum geht, einfach mitzunehmen was kommt. Natürlich gibt es noch einige Orte an denen ich gern mal auftreten würde, aber auch wenn das nicht passiert bin ich mit dem sehr glücklich und zufrieden was wir bisher hatten. Der Erhalt des Status Quo ist wohl das was ich anstrebe. Ich möchte so lange es eben geht das festhalten, und irgendwann auf all das im Guten zurückblicken. Ich denke bisher bin ich da auf einem guten Wege.


Und dann zum Abschluss noch einige Worte an eure Fans bzw. unsere Leser?


Ja, liebe Freunde in Österreich. Wie gerade schon angesprochen würden wir uns freuen, wenn wir Euch mal wieder besuchen dürften. Ansonsten, falls Ihr das noch nicht getan habt, riskiert mal ein Ohr und hört mal in unsere neue Scheibe „Walls Of Vanaheim“ rein. Ich hoffe Euch irgendwo mal in einer Konzerthalle oder auf einem Festival zu sehen. Dann trinken wir was zusammen ;)


Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen und ich hoffe sehr, dass ich euch 2018 erneut auf der Bühne erleben kann!


Ich danke Dir und wünsche dir und euch allen alles Gute und Stay Heavy ;)

www.facebook.com/BlackMessiah666

Autor: Metalmama

Weitere Beiträge von Metalmama


Zurück

Beitrag vom 16.11.2017
War dieses Interview
interessant?

2 Stimme(n)
Durchschnitt: 7

Diesen Beitrag bewerten:
  
Diesen Beitrag per E - Mail verschicken:
An:
Von:
Kommentar: