Interview mit TURBOBIER - Mit Eislaufschuach durch die Lugner-City


Das TURBOBIER startet zum zweiten Mal durch und verspricht, Räusche, Punk, Spaß, aber auch überraschenden Tiefgang. "Das Neue Festament" schlug auf Platz #1 der Charts ein und begeisterte die Fans im Sturm. Wie das passieren konnte, erklärte uns Frontmann Marco Pogo im Interview.

Aus Authentizitätsgründen natürlich wieder komplett in O-Ton abgetippt!


Seit unserem letzten Treffen 2015 hat sich bei TURBOBIER so einiges getan. Was waren seitdem so die Highlights?


Boah... Wos woan die Highlights? Es hod sie vü daun. Wir hom sehr viel gspüt, was wir eigentlich am allerliebsten machen. An Haufen neiche Videso homma gmocht. Generell hommas gschofft, dass uns die Leid die sich für TURBOBIER interessiert haben blieben san und es san nu vü mehr woardn. Das war es was wir erreichen wollten – am Ball zu bleiben.




Nova Rock war i selber extrem überrascht – war a fette Show und für die Uhrzeit richtig vü Leut. Wie wars für euch rückblickend? A Anekdote am Rande: ALKBOTTLE ham an Tag später zu späterer Uhrzeit gespielt und weit weniger Zuschauer gehabt...


Uh ja. Das is natürlich schön, vor allem weil in unserm Fall die Leute immer wieder den ALKBOTTLE-Vergleich bedienen. I man, i mog die Band und a den Roman sehr, aber des ane hod mitn aundan nix zum duan. Wir ham musikalisch zumindest gesehen mit ALKBOTTLE ned vü am Huat. Da freut mi da EAV Vergleich vü mehr. Der is natürlich richtig fein, weil des würd ich selber nie sagen, das wäre anmaßend. Aber das freut mich extrem und das ist auch textlich oft gar nicht so weit entfernt.
Den Nova Rock Auftritt ham wir auch noch in Erinnerung, es is phänomenal wie kurz es da diese Band geben hat und so viele Leute sich da schon begeistern konnten. Da bleibt uns immer nu da Atem weg wenn ma daran denken. Woa a guada Tog.



Der ALKBOTTLE Vergleich wäre bei mir musikalisch auch ned dagewesen, aber die Fakten wie erfolgreiche Band aus dem härteren Sektor aus Österreich und dann auch noch in Mundart gesungen, sind nicht von der Hand zu weisen. Da wären vielleicht jetzt DRESCHER noch, obwoi die wieder a ganz andere Richtung einschlagen.


Aber i glaub wir ham mit ALKBOTTLE a so wenig zduan wie mit DRESCHER... die mog ich a! Des san die leiwaundsten Typen. Da sollt ma aber trotzdem ned Äpfel mit Birnen vergleichen. I finds aber einfoch schön dass aus Österreich solche Bands immer wieder jetzt aussakuman. Es is aber a ka Garantie wenn du in Mundart singst, dass des a an Erfoig bringt, des woas nie und wirds a nie sei.


“Das Neue Festement“ ist gerade erschienen, was war die Idee dahinter?


Auf jeden Foi ned des söwe numoi mochn. I glaub es interessiert kan, wenn jetzt a Band drei, viermal a Album aussabringt, des si relativ gleicht. Des woa mei Gedanke, dass ma an Schritt weida gengan. A von de Inhalte her a neues Level erreichen muass. Und des is denk i, ganz guad gelungen. Es hätte nie eine „Irokesentango“-Kopie sein sollen. Sicher kuman jetzt scho leid und meinen, des is jo ned so Punk. Aber i sog Punk is des zu tuan wos da du eibüdst. Des is genau des Gegenteil von dem wos die Leid sogn, des is ka Punk, daun homsis eigentlich überhaupt ned verstaunden.




I möcht behaupten – Platz #1 in de Österreichischen Charts – unerwartet, aber irgendwos hobts auf jeden Fall richtig gmocht.


Ja, es hod si kana erwoartet. Es is natürlich schön wenn sowos passiert. I find des is am ollermeisten Punk, wenn ma mit so am Projekt auf die #1 geht. Vü mehr gegensteuern kaun ma do ned. Es is aber scho schen, wenn sie vü Leid denken, des kennans jetzt owa ned mochn. Die kenan jetzt ned mit Eislaufschuach durchd Lugner-City foahn oder mit am Liliputaner uman Ring foahn und die kenan ned an Weltrekordversuch im Massen-Dosenstechen versuachen. Also a ziemliche Anti-Haltung die extrem vü Spaß mocht. Und wenn sowos breit einschlogt, des gfreit uns scho sehr.


Ich denke a, dass das Album erwachsener geworden ist, gerade Texte wie „A Mensch Is A Mensch“ – sowos hätts aufm ersten Album ned geben. War das also die Intention dahinter?


Die Intention woa a einfoche... also wenn da wer zuahoacht, daun soitst vielleicht a wos Gscheids sogn. Und wir ham auf jeden Fall was zu sagen, abseits von „sammelt viel Flaschenpfand“ und „trinkts täglich eicha Bier“. I glaub a, dass jeder der uns verfolgt oder mit uns redt, weiß, dass da durchaus a aundere Botschaften außakuman, maunchmoi. Mir woa wichtig zu sagen: „Leid hauts eich ned in die Goschen, setzts eich zaum. Wir san alle nur ganz klane Lichter auf der Welt und da Hass zu säen und zu schimpfen, das wiederspricht meiner Idee zu am friedlichen Zusammenleben und scheißegal wo wer herkummt, ich begegne jeden Menschen mit Respekt und dat ma wünschen dass des vü mehr Leute a mochen.


Das Cover passt ja zum Thema. Wie habt ihr die Promis und Drangla dafür ausgesucht?


Also wer sich das Cover genau ansieht... also i hätt zu jedem einzelnen a genaue Erklärung, warum der drauf ist. Jetzt nimmt ma zum Beispiel her, neman ma in Ratzinger, der übrigens der berühmteste Frühpensionist der Welt ist, kein anderer ging in seim Berufsstand so früh in Pension, der musste also als Chef-Dachinier quasi drauf, da ist zum Beispiel da Steffan Effenberg. Der is glaub i 1994 aus der deutschen Fußballmannschaft geflogen ist, weil er den Fans in Mittelfinger zeigt hod. Wir zeigen den Fans in gaunzen Tog in Mittelfinger, da hätt ma scho lang irgendwo aussifliagn miassn. Owa wir griagn erm eh a wieder zruck, so is eh ned.
Dann ist drauf da Arnie, weil es diese ganz berühmte Cognac-Pose gibt, die ma so guad gfoit. Des hat ma a Freund vorgschlagen. Dann da Qualtinger, da Chef-Drangla und da Häupl mit am Fetzen. Hasselhoff kennt a jeder die Burger-Pose.
Und a da Jörg Haider is drauf und do sogt numoi ana: „Alkohol kann keine Probleme lösen.“





Ihr seits auf Wacken dieses Jahr. Wie gehts euch eigentlich in Deutschland?


Super. Jetzt is ja quasi die Release-Tour in den Endzügen. Jetzt kommen noch die letzten Ö-Shows mit Finale im Flex Wien, des ausverkauft ist. Deutschland is voi geil, weil im Prinzip zwischen Oberösterreich und Bayern is sprachtechnisch ned so vü Unterschied. Des san scho moi 20.000 Bayern, da kann ma scho einiges abgrasen. Und weiter oben, wir waren letzte Woche in Berlin. Des funktioniert supa. Dann natürlich oft die Frog, ob die ois verstangan. Na, ned ois owa des mochts jo grod spannend irgendwie. Ma kann bei ana TURBOBIER-Show durchaus was lernen. Auch als Nord-Germane kann ma nu des eine oder andere Termini mit nach Hause nehmen. Waun RAMMSTEIN in Moskau spün, versteht a kana wos, und Musik is a Emotion und die transportiern ma ganz guad.


Wie siehts außerhalb aus?


Schweiz mach i mir wenig Sorgen und in zwa Wochen samma in Ungarn und im Sommer am Mighty Sounds bei Prag irgendwo. Und bald samma auf am Radio in Luxemburg Platte der Woche. Das Album is a in Holland aussakuma. I glaub es gibt kane Grenzen.


Des hört sich nach sehr schnellem Erfolg in kurzer Zeit an – nur vom Biertringa am Wiarschtstandl kumt des a ned...


A doch! Na, es steckt was dahinter. Wir setzen viele Ideen um, weil ma an Spaß dran ham. Und solangs Spaß macht, wirds a ned als Arbeit empfunden. Es dient a alles am Zweck. Die Band, die Partei, die Religion und so weiter, des is a Gaudi. Es is also a Aufwand aber ka Arbeit.


Apropos Spaß – wie is euch beim Dreh von „A Mensch Is A Mensch“ gaunga?


Wir hom uns dacht, wir ham so Top-Körper vom Biergott Gambrinus gestählert, das kann man fast nicht der öffentlichen Wahrnehmung vorenthalten. Wir ham vü glocht, weil ma uns einfach... ja wennst gemeinsam mit deine Hawara nockat ums Schlagzeug rennst, des hod scho Unterhaltungswert. Wir san total zufrieden, wies dann im Endeffekt angschaut hat, aber wir san uns daun ned gaunz sicher gwesen ob des nu ästhetisch oder in Richtung grauslich geht, aber die Bierpartei sagt „Mut zur Dichtheit, Mut zur Hässlichkeit.“ Des passt scho.




Was war euer Lieblingsdreh?


“Verliebt In Einen Kiwara“ mitn Toni Vegas war scho sensationell. Also da Toni, a bissl in die Jahre gekommen, aber dennoch ein ganz Großer und er is wirklich a lustiges Kerlchen. Da hamma echt eine Gaudi ghobt. Und die Live-Szenen, die dazwischen waren, die warn ja ned chronologisch gedreht, sondern erst im Anschluss. Da hamma 50 Fans da ghabt und die woan olle blunzenfett. Wir hom uns scho docht, oida do passiert irgendwos, dass do irgendwen so auf die Pfeiffen haut, dass ma die Rettung brauchen, aber Augsoffane hom is Glick.


Kann mi erinnern bei der Akustik-Tour im Burnside letztes Jahr ham wir uns auch getroffen. War echt lässig, kann man sowas erneut erwarten?


Na, wir hom uns letztens scho docht, dass so a Beisl-Tour wiedamoi lustig wär. Des woa jo wirklich Akustik-Gitarr, Schaßtrommel und geht scho... und Pogo. Wir hom scho bewiesen, dass uns immer wieder a Stickl mehr Bledsinn eifoit. Wieso nicht wieder a Beisl-Tour. Des würd sicha wieder richtig lustig werden und dann a mit Wall of Beer aufm Akustik-Konzert. Des is a witzig.




Was hats mit den „Dranglahits 77“ auf sich ghabt?


Wir woan jo zuerst lustigerweise auf da Bravo Hits. Da hab i ma dacht, des kanns jetzt ned gewesen sein, dass unkommentiert passiert. Gschwind im Photoshop a Bravo Hits Rip-off zaumgschuastat und ab ins Internet. I gaub 10.000 Leid ham des owaglond. Da hamma die größten Smash-Hits drauf ghaut, die ma sonst aus rechtlichen Gründen ned verkaufen derfn. Owa es hod eh kana gmerkt. Die TAYLOR SWIFT hod jetzt ned auf die TURBOBIER-Seitn gschaut.




Wos duat si mit da Bierpartei?


Wir hoffen.. najo hoffen... wir sind in der Annahme, dass die jetztige Gro-Ko nicht mehr lange halten wird und dass sowieso frühzeitig Neuwahlen ausgerufen werden. Wir stehen dann parat um beim ersten Antritt die absolute Mehrheit zu holen und alles andere wär a herbe Enttäuschung. Oiso wir gehen von da Absoluten oder mehr aus.


Also da neue Bundeskanzler Dr. Pogo is uns sicher?


Auf jeden Foi!


Hast du a witzige, traurige oder grausliche Tourstory?


Witzig, traurig? Oder vielleicht beides?


I bin offen für alles.


Offen für alles? Oiso da Baz Promüü is so a Kandidat, der regelmäßig von der Bühne direkt ins Publikum abstürzt. Wir san generell live amoi gehandicapt durch die Sonnenbrille. Des is owa a herausragende Idee si mit Sonnenbrün aufd Bühne zu stellen. Wos kana bedocht hod is, dass einfach saufinster is und ma nix siagt. Was sich zum Einen auf die musikalische Qualität unserer Darbiertung auswirkt. Es is einfach schlecht, wennst nix siagst. Und ma erkennt a Bühnenränder und Gräben ned wirklich. Es is ned selten passiert, dass ma nurmehr zu dritt auf da Bühne stehen und er irgendwo liegt.
Das mit dem Liegen passiert übrigens a auf da Aftershow-Party. Da gibts a paar Spezialisten. Da wir ham da an internen Contest laufen. Kurzstrecke und Langstrecke. Oiso, es gibt immer einen Kurzstrecken-Sieger, also wer is in kürzester Zeit urfett? Und die Langstrecke, oiso wer hoit am längsten durch. Aber da gibts auch die große Kombination, der Fetteste der am Längsten durchhoit, was aber ein seltenes Highlight ist. Ansonsten witzige Tourgschichtln. Inzwischen kenan ma jeden deitschen Grenzbeamten bei seim zweiten Vornamen und die Schuahgress seiner Großmutter, weil ma jedes moi aufghoidn und gfüzt werden. Dann kommt die Frage nach Drogen, dann sagen wir erm dass Bier ka Droge is und er ois Bayer des wissen muass. Hier und da miass ma dann ois ausramma. Sonst isses manchmal gar ned so spektakulär wie ma ses vorstellt... und manchmal isses nu spektakulärer wie ma sis vorstellt. (lacht)





Was können wir heute abgesehen von abstürzenden Musikern erwarten?


Heute is zumindest der Bühnenrand mit Neon-Gaffa beklebt. Zumindest auf der Bühne. Was danach passiert, des wird die Langstrecke und Kurzstrecke zeigen. Aber es ist unsere erste große Biermesse in Linz, an einem Donnerstag. I bin gspannt, was Linz unter der Woche kann. Sonst samma eher die Wochenendsportler, aber wir gfrein uns drauf und da Posthof is ein feiner Laden. Des kann eigentlich nur guad werden.


www.turbobier.at

Autor: maxomer

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Beitrag vom 04.05.2017
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