Interview mit EDENBRIDGE - Die Verbindung von Herz und Verstand


Mit "Dynamind" konnten die österreichischen Symphonic Metal Veteranen EDENBRIDGE bereits letztes Jahr in die nächste Runde gegangen. Da leider jetzt auch die dazugehörige Tour ins Wasser gefallen, bzw. verschoben worden ist, kontaktierten wir Bandkopf Lanvall und Sängerin Sabine um uns ein paar Eindrücke über das aktuelle Schaffen der Band zu holen.


Hi ihr beiden, wie geht es euch und was tut sich gerade bei EDENBRIDGE gerade?


Lanvall: Alles gut so weit.


Auch euch hat die aktuelle Krise voll erwischt und euch eure Release-Tour um ein ganzes Jahr verschoben. Wie habt ihr das Ganz erlebt als Band?


Lanvall: Ja leider. Wir wären im April und Mai mit unseren österreichischen Kollegen VISIONS OF ATLANTIS auf Europatournee gewesen. Angesichts der rasanten Entwicklungen war allerdings frühzeitig klar, dass die nicht stattfinden konnte. Wir arbeiten jetzt an einer eigenen Headlinertour für April 2021, die beiden Österreich-Konzerte am 8.4.21 in der Szene Wien und am 10.4.21 in der Spinnerei in Traun stehen schon fest.
Leider hat es auch die Uraufführung meiner ersten Symphonie erwischt. „The Freystadt Symphony“ habe ich als Auftragswerk für die Junge Philharmonie Freistadt zur 800 Jahre Feier der Stadt komponiert. Die wäre am 1.7.20 mit rund 300 Musikern auf der Bühne in der Messehalle Freistadt uraufgeführt worden. Das wurde nun ebenso um ein ganzes Jahr, auf den 30.6.2021 verschoben.





Da ihr ja euer Studio zu Hause habt, hat sich wahrscheinlich zumindest was das Songschreiben für EDENBRIDGE und andere Projekte betrifft, nicht viel geändert? Konntet ihr die Zeit also schon für neues Material oder andere Ideen nutzen?


Lanvall: Ich habe bereits mit dem Songwriting für Album Nr.11 begonnen. 4 Songs sind schon fertig, ganz spannende neue Ideen und Perspektiven tun sich da im Moment auf.

Sabine: Ich hatte das Bedürfnis den Song "Dynamind" noch einmal neu für ein Video aufzunehmen, weil ich den Song samt Text für die momentane Zeitqualität für sehr wertvoll halte.
Wir haben das Video 1:1 zu Ostern online gestellt. Es heißt „Dynamind Easter 2020“. Vor 3 Wochen sind wir erstmalig live auf Facebook mit unseren Fans in Austausch getreten. Zur Question & Answer-Serie hatten wir beim ersten Mal über 1.500 Leute live dabei. Es ist schon ein phänomenales Gefühl, von zu Hause aus mit so vielen Menschen auf der ganzen Welt in Verbindung zu sein.



„Dynamind“ ist auch schon wieder gut ein halbes Jahr alt. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis und den Reaktionen?


Lanvall: Sehr zufrieden, wir konnten in Deutschland charten und erhielten zusätzlich eine Nominierung für den Amadeus Award in der Kategorie Hard´n Heavy.

Sabine: Wir sind zuallererst selbst mit dem Resultat sehr zufrieden und waren darüber hinaus natürlich erfreut von vielen Seiten positiv bestätigt worden zu sein. Nachdem das Jahr für uns heuer schon stark begonnen hatte, wir waren ja gleich im Jänner in Amerika, waren wir schon positiv gestimmt. 2 Auftritte am 70.000 Tons of Metal Kreuzfahrtschiff, ausgehend von Florida nach Mexiko sind einfach ein besonderes Highlight. Wir haben 4 Songs vom neuen Album gespielt. Ich habe das Gefühl, dass sehr viele Songs von "Dynamind" live sehr gut funktionieren. Leider ist es dann aber nicht mehr zur Europatour gekommen.




Was war die Idee hinter dem Titel und dem Artwork?


Sabine: Der Titel ist ein Wortspiel aus „dynamite“ und „mind“. Dynamit steht für die Dynamik, die für uns auf der Erde momentan spürbar ist, sowie dem zweiten Wort „Mind“ für Geist. Der Geist den jeder Einzelne ins große Ganze mit einbringt und in weiterer Folge auch wieder rückgekoppelt wird aus dem kollektiven Bewusstsein.
Dynamisch bewegt sich die Menschheit zwischen den Polaritäten, und wir Menschen schlagen uns, so scheint es, immer mehr auf eine Seite. Glauben zu wissen was gut und schlecht ist, urteilen oft viel zu schnell zwischen richtig und falsch. Da ist der Verstand, der die Oberhand gewinnt. Wenn er sich nicht für Hintergründiges und für das Wesen der anderen Seite/Meinung interessiert ist er gefährlich. Es braucht die Verbindung von Herz und Verstand, das mit Einbeziehen der anderen Seite und nicht das Trennende. Dort wo sich diese Polaritäten verbinden, kann wirkliche geistige Entwicklung stattfinden und das ist dann "Dynamind". Der heilige Gral am Cover steht übrigens in diesem Zusammenhang als Synonym für innere Weisheit aus der Verbindung von Herz und Verstand.


Lanvall: Unser Drummer Johannes hat mittlerweile das komplette Artwork übernommen, da er in seinem Hauptberuf 3D Designer ist, was natürlich enorm hilft. Sabine hatte die Idee zum Cover mit dem Kelch und dem Gewölbe und Johannes hat das dann fantastisch umgesetzt.


Gab es beim Songwriting einen Plan oder zumindest eine Richtung, in die es gehen soll, oder entsteht das bei euch immer erst nach und nach?


Lanvall: Es gibt niemals eine Richtung bei uns, denn dadurch würde man sich schon wieder selber limitieren. Natürlich bewegt man sich in einem gewissen Rahmen, aber der ist bei uns schon riesengroß wenn du dich durch unsere Geschichte hörst. Ich sammle meist erst mal Ideen und beginne dann diese ab einem gewissen Zeitpunkt auszuarbeiten. Dieser Prozess zieht sich dann meist über eineinhalb Jahre bis zum Beginn der Recordings.




Ihr habt einerseits sehr heavy Songs, andererseits auch viele Experimente. Wie kam es zu Songs wie „Tauerngold“, „On The Otherside“ oder „Where Oceans Collide“ bzw. was könnt ihr mir sonst dazu erzählen?


Lanvall: Die Idee zu dem Song „Tauerngold“ hatten wir bei einem Kurzurlaub in einem sehr ursprünglichen Ort namens Rauris in den Salzburger Tauern. Dort wurden bis zum 15. Jahrhundert 10% des weltweiten Goldes geschürft. Es wird vermutet, dass aber noch 80% in den Bergen schlummern. Dies brachte einen amerikanischen Konzern auf die Idee es mit hochgiftigen Chemikalien aus dem Berg zu holen und versprach der regionalen Bevölkerung an die 500 Arbeitsplätze. Dies hätte das Tal für immer zerstört. Die Bevölkerung hat sich letztendlich weise dagegen entschieden und so ist „Tauerngold“ ein Synonym für das wahre Gold, nämlich die nahezu unberührte Natur.

Die Vielschichtigkeit kommt dadurch, dass wir uns musikalisch einfach nicht limitieren. Das war noch nie der Fall bei EDENBRIDGE und wird es auch nie sein. Das ist doch ein Aspekt, der Musik spannend hält. Ich würde mich zu Tode langweilen, müsste ich immer und immer wieder die gleiche Art von Song oder Album schreiben. Ich hatte die Idee für dieses doomige Riff und es passte einfach perfekt in den Song und unterstreicht die Weite und die Mächtigkeit der dortigen Berge.



Sabine: Ich liebe diese Schwere und gleichzeitige Getragenheit im Song. Geht in Richtung Lieblingssong von mir.


Lanvall: „On The Other Side“ war insofern ein „Schnellschuss“, da ich den Song bei einem Waldspaziergang quasi von vorne bis hinten durchgesungen habe, ihn quasi in Echtzeit reinbekommen habe. Der Startpunkt dafür waren die beiden irischen Hauptthemen, die ich auf einem Zettel fand, wo ich Ideen für unser 3. Album „Aphelion“ notiert hatte und das ist bereits 17 Jahre her. „Geistesblitze“ wie diese, dass komplette Songs einfach „da“ sind, sind aber eher die Ausnahme.


Sabine: Die Inspiration zu dem Text kam, als wir in den Hohen Tauern wanderten und einer Kuh dabei zusahen wie sie den mühsamen Weg über eine steile Böschung nahm um auf die andere Seite der ebenso steilen Böschung zu gelangen. So wie wenn das Gras auf der anderen Seite besser wäre. Wir sagten uns, ach ja auch die Tiere suchen offenbar nach dem besten Futter und sehen das Gute nicht in der Nähe und in der Einfachheit. Vielleicht erkannten wir in diesem Fall aber auch nicht, dass das Gras auf der anderen Seite wirklich grüner war :-)


Lanvall: „Where Oceans Collide“ wird in erster Linie von einem schnellen Hauptriff getragen, das sich durch den Song zieht. Interessant sind dabei die ganzen kleinen atmosphärischen Soundschnipsel und Effekte. Hier wurde ich wahrscheinlich von meiner Fimmusiktätigkeit inspiriert, so etwas einzubauen.



Auch dieses Mal war Crowdfunding ein wichtiger Teil der Entstehung, steigert sich da die Teilnahme von Album zu Album und was gab es dieses Mal für schöne Belohnungen zu holen?


Lanvall: In Zeiten immer fallender physischer Tonträgerverkäufe fallen auch die Budgets der Plattenfirmen. Die Streaming-Erlöse sind für den Künstler eine Katastrophe und keine Kompensation. Die Fans erwarten aber ein Produkt was qualitativ gleich gut oder sogar besser ist. Crowdfunding ist ein perfektes Beispiel dafür um die Fans direkt mit einzubinden, Teil des Ganzen zu werden und sie lieben es. Und die Packages reichen vom kleinen bis zum großen Geldbeutel und verteilen sich auch dementsprechend. Sehr beliebt sind natürlich die handgeschriebenen Lyric Sheets. Und auch die etwas höherpreisigen Packages wie der „Wien Tag“ mit Sabine und mir oder das Executive Producer Package, fanden super Anklang.


Sabine: Viele unserer Fans schätzen es von Beginn an Teil von dem Produkt zu sein das sie dann in Händen halten. Was wären denn die Künstler ohne jene, die den Aufwand zu schätzen wissen? Und dieser ist bei uns echt immer immens hoch.




Ihr habt ja auf Facebook Q&A Sessions gemacht und noch weitere geplant. Ein Online-Konzert wäre auch eine Option?


Lanvall: Ja, aber man kann es auch übertreiben :-) Wir haben uns jetzt mal für die Q&A Sessions über unsere bisherigen 10 Studioalben entschieden, die super laufen und Fans aus der ganzen Welt anziehen.


Abgesehen von der angekündigten Tour, was steht für EDENBRIDGE noch am Plan in der nächsten Zukunft?


Lanvall: Das letzte Jahr lief ja wirklich fantastisch. Von der China Tour mit dem Auftritt auf dem Festival in Nanjing vor 30.000 Leuten über die 2.Teinahme an der 70.000 Tons of Metal Cruise in der Karibik. Ich schau jetzt mal wie weit das Songwriting für das kommende Album heuer noch gedeihen wird. Dann steht ja auch noch Anfang 21 unser 2. Doppel-Best-Of Album an. Es gibt also permanent was zu tun. Was den Livesektor betrifft, so ist heuer nichts mehr geplant, aber da wird man eh erstmal sehen müssen wie sich das ganze wieder einpendelt.


Lanvall, du hast ja auch schon öfter Soundtracks für verschiedene Dokus gemacht, betreibst du solche Projekte weiterhin und möchtest du da etwas empfehlen?


Lanvall: Ich ja seit 6 Jahren im Komponistenteam für die Doku „Über Österreich“ von Georg Riha tätig. Die 4. Staffel lief gerade und wir haben bereits für Staffel 5 begonnen zu arbeiten, die kommt dann Pfingsten 2021 auf ORFIII. Alle Staffeln hatten mitunter die höchsten jemals erzielten Quoten und Zuseherbewertungen auf ORFIII und es macht echt Spaß zu diesen herrlichen Bildern die Musik zu komponieren. Mit Franz Klammer und Dr. Heinz Fischer hatten wir in den letzten beiden Staffeln auch prominente Präsentatoren und die Sendung wurde auch schon in etliche Länder weltweit verkauft. Von Deutschland, Schweiz und Frankreich bis nach Brasilien und dem Iran.


Ich danke wie immer für die Zeit! Gibt es noch etwas, was ihr loswerden wollt?


Vielen Dank für das Interview, Max!




www.edenbridge.org

Autor: maxomer

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Beitrag vom 02.06.2020
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