Interview mit KADAVAR - Tony Iommi hat schon alle guten Riffs geschrieben


Die Classic Rocker KADAVAR sind bei ihrem fünften Album angekommen und in der Form ihres Lebens, was auch für ihre Live-Shows zutrifft. So begeisterte uns das Berliner Trio in der Arena restlos. Zuvor trafen wir auf einen extrem entspannten und gut aufgelegten Christoph "Lupus" Lindemann, der uns einiges zur Entstehung des Werkes und viele weitere interessante Infos erzählte.


Hey Christoph, wie geht´s dir?


Ja gut, nur noch eine Woche Tour, da wird´s schon besser (lacht).


Du wirkst eh sehr entspannt.


Ja, klar.




Zunächst, die obligatorische Frage; wie läuft die Tour bisher?


Gut. Besser als erwartet, um ehrlich zu sein. Vor allem im Ausland, ist jetzt doch noch ein bisschen was passiert. Frankreich und Spanien sind da recht gut gewesen. Macht auf jeden Fall Spaß.


Wie siehts da bei uns in Österreich aus?


Ja, gerade Wien war immer ziemlich schwierig für uns. Die ersten Jahre liefs da eigentlich ganz gut. Ich glaub das hat so ein bisschen aufgehört, als wir unseren österreichischen Bassisten... äh, er ist gegangen, nicht wir haben ihn rausgeworfen. (lacht) Da hat es so ein bisschen stagniert.


Ich erinnere mich gerne an die erste KADAVAR Show, die ich gesehen habe im rammelvollen Kapu in Linz.


Ja, ich erinnere mich, da waren wir schon drei Mal, echt saugeiler Club. Hat eine PA, die viel zu groß ist für den Laden, die richtig schön weh tut. (lacht)


Macht ihr hier und da noch so kleine Shows, bzw. geht das noch?


Ja klar. Wenn es sich anbietet, oder irgendwie am Weg liegt. Es geht schon hier und da mal, man muss halt nur schauen, ob da eh nicht in der nähe auch eine große Show geplant ist, da kommt dann so Schwachsinn wie Gebietsschutz.


Dann mal Gratulation zum neuen Album „For The Dead Travel Fast“, mir gefällt es richtig gut. Stilistisch habt ihr wieder etwas korrigiert, bleibt aber eurem Stil natürlich treu. Gab es beim Songwriting einen Plan oder ist das Ganze eher aus dem Bauch heraus passiert?


Wir haben versucht das Ganze aus dem Bauch heraus zu machen, aber nach zwei, drei Wochen waren wir ein bisschen entnervt, weil nicht so richtig klar war wo es hingehen soll. Dann haben wir es so ein bisschen wie auch bei „Rough Times“ gemacht. Wir sind erst nach Rumänien geflogen und haben dort mal das Album-Cover geschossen. Und als dann das Visuelle feststand und wir wussten in welche Richtung das geht, haben wir das alles etwas weitergesponnen, also das mit den alten Horror-Filmen und dass die Songs auch dadurch etwas entschleunigt werden, also nicht in ihrer Geschwindigkeit, sondern eher in der Erzählweise. Darum sind die Songs auch wieder länger geworden und man gibt dem Song mehr Zeit zum Atmen und auch mehr Dynamik anstatt alles in vier Minuten abzuarbeiten.




Wie ist die Idee mit Graf Darcula´s Schoss Bran in Rumänien überhaupt entstanden?


Ich glaub, wir haben einfach rumgehangen und blöd rumgelabert. (lacht)
Da kam einfach von irgendwem mal die Idee mit der Burg. Unser Bassist ist ja Franzose, der meinte in Frankreich gibt es ja die geilsten Burgen und ich komme aus Thüringen, das ist ja auch alles voll mit Burgen und unser Fotograf aus England meinte natürlich, dass es dort die geilsten Schlösser gibt. Dann haben wir uns aber auf neutrales Territorium geeinigt.



Wie sieht es generell mit Unterschieden in der Entstehung und der Produktion der Songs zu den Vorgängern aus?


Ja, es ist alles etwas aufwändiger geworden. „Rough Times“ war spontan und dreckig. Dieses Mal haben wir schon geschaut, dass jeder Song das bekommt, was er braucht, um diese Message zu transportieren, die wir uns da vorgestellt haben. Synthesizer, mehr Gitarren, Chöre und all diese Sachen, die wir früher nicht gemacht haben, weil wir früher diese Regel hatten, zumindest für die ersten drei Alben, dass wir nichts aufnehmen, was wir nicht auch live 1:1 so wiedergeben können, also nur eine Gitarre, einen Bass, ein Schlagzeug und Gesang. Das haben wir jetzt über Bord geworfen und das so gemacht bis es uns wirklich gefällt und alles passt.


Live werdet ihr also auch auf mehr Mittel zurückgreifen?


Es gibt ein paar Samples und auch einen Part mit Synthesizer. Simon hat da einen Synthesizer am Boden und muss da mit seinen Schuhen, während er Bass spielt, herumwerken. Ich habe auch einen und auch Tiger, das teilen wir uns etwas. Aber das funktioniert alles ganz gut.




Gerade bei Bands aus dem klassischen Rock gibt es ja schnell mal bei solchen Anpassungen und Änderungen im Sound, von Fans und Kritikern Empörung. Die Kritiken waren ja durchwegs gut, wie ich gesehen habe, aber gab es da auch Gegenstimmen deswegen oder auch weil ihr etwas moderner und vor allem doomiger geworden seit?


Ach, die gibt´s bestimmt, aber ist mir eigentlich auch ziemlich egal. (lacht)
Am Ende müssen wir damit zufrieden sein. Wenn es jetzt eine schlechte Platte wäre und ich deswegen Kritik bekomme, dann sehe ich das auch ein und nehme das auch als konstruktive Kritik. Wenn jemand das nicht mag, weil es nicht sein Sound ist, dann kann ich damit leben, das ist sein gutes Recht, aber es ist mir auch egal.



Bei Reviews zu euren Alben, kommen ja auch immer mal wieder große Bands wie BLACK SABBATH oder LED ZEPPELIN als Vergleich auf. Ehrt euch so etwas, oder stört das mehr?


Ich hab letztens mal aus Versehen eine Kritik auf Amazon gelesen, also von einem Konsumenten und nicht von einem Journalisten. Der meinte so: „Das sind nicht mehr die KADAVAR, die ich vorher kannte, die klingen ja jetzt nurmehr wie BLACK SABBATH“. (lacht)
Lustig, denn den Vergleich höre ich ja seit der ersten Platte und gerade bei der neuen Platte, die meines Erachtens am wenigsten danach klingt, kommt so etwas. Das fand ich dann schon lustig.
Klar, sowas kommt immer wieder, finde ich jetzt nicht verkehrt, aber es gibt bestimmt 50 andere Bands, die mich mehr beeinflusst haben, als BLACK SABBATH. Aber klar, das sind die Helden und Tony Iommi hat natürlich alle guten Riffs schon geschrieben und alle danach stehen nur in seinem Schatten. (lacht)



Habt ihr bei neuen Alben dann auch Lieblingssongs bzw. wie schaut ihr, welche Tracks ihr dann live spielt?


Prinzipiell ist die Idee, dass jeder Song auch live zu spielen ist. Bei fünf Alben wird es dann schon immer schwieriger, denn jetzt müssen wir immer mehr Songs rausschmeißen, vor allem Songs, die wir schon seit dem ersten Album, also fast acht Jahre spielen. Und bei dem was übrigbleibt, haben wir geschaut, was von den neuen Songs da am besten reinpasst. Da haben wir dann wochenlang immer wieder ein bisschen rumgeschoben. Man merkt auch, dass immer bei neuen Songs zunächst die Leute etwas verhaltener sind und erstmal hören. Das muss man mit alten Songs immer wieder aufbrechen. Aber jetzt nach ein paar Wochen, laufen die schon ganz gut.




Mich haben ja „Children Of The Night“ und „Poison“ am schnellsten gehabt. Kannst du mir zu denen etwas erzählen?


„Children Of The Night“ spielen wir ja heute Abend, „Poison“ haben wir einstudiert, aber spielen wir leider nicht. Das finde ich ein bisschen schade, aber hat halt nicht so gepasst. „Children Of The Night“ war der erste Song wo wir wirklich mit Synthesizern gearbeitet haben. Und das haben wir bei der Show ausgebaut. Da gibt es ein längeres Intro. Ich wollte eigentlich auf der Platte, dass es noch mehr nach Synthesizer klingt, aber das wurde dann abgelehnt. (lacht)
So ist das halt in einer Band mit drei Leuten, da gibt es immer eine Allianz und einer steht alleine da. In dem Fall war ich das und so durfte ich nur im Hintergrund etwas einbauen.



„Saturnales“ hat ja Simon eingesungen. Wie ist das passiert?


Wir haben gesagt, er soll auch mal einen Song schreiben. Er kam dann damit an und ich so: „Ach cool, sag Bescheid, wenn ich den einsingen soll“. Und er meinte dann nur: „Nö, nö, nicht nötig, schon alles fertig.“ Er hat einfach alles schon selber eingespielt und fix und fertig abgegeben. (lacht)


Er klingt ja auch sehr anders.


Ja klar, das ist auch gewollt. Ich finde es ist eine super Auflockerung. Wir wollten etwas ohne Beat haben, das ein bisschen dahinschwimmt. Das hat er gut gemacht und haben da auch noch einen Streicher am Ende eingestetzt.




Und live auch möglich?


Das müsst ihr ihn fragen, aber ich glaube, er hat keinen Bock zu singen. (lacht)


Gibt es kurz bevor ihr auf die Bühne geht noch so etwas wie Nervosität bzw. irgendwelche Rituale in den letzten Minuten?


Also nervös sind wir bestimmt immer noch. Es ist aber auch mittlerweile so eine routinierte Nervosität. Du gehst nochmal alles im Kopf durch, überlegst und willst auch keinen mehr hören und sehen. Aber trotzdem kommen alle Beteiligten, also das Produktionsteam ist ja auch größer geworden, nochmal zusammen und da wird nochmal abgeklatscht und dann macht jeder seinen Job. Das ist schon wichtig, dass wir nochmal zusammenkommen und irgendwer noch einen dummen Spruch bringt.


Und wie sieht es da nach den Shows aus?


Ja, da geht´s erstmal an den Kühlschrank und Bier auf. Das würde ich so als Ritual sehen. (lacht)
Da wir hier auf der Tour fast nur in großen Städten sind, kommen da überall auch mal noch Freunde und Bekannte vorbei, mit denen man ein bisschen quatscht und dann geht´s auch schon wieder in den Bus und das wars schon wieder.



Hast du interessante Stories aus dem Tourleben?


Ja, meistens ist immer irgendwas mit dem Bus. Da sind wir mal in Dornbirn nachts rausgefahren und da war so eine Baustelle und der Busfahrer wollte so eine kleine Seitenstraße nehmen. Er hatte noch 2-3 Möglichkeiten zu wenden, was er aber nicht gemacht hat. Da hat er dann so einen Bauzaun weggeschoben und ist in die Baustelle reingefahren und da sind wir dann stecken geblieben mitten in der Nacht. Da lagen Schaufeln und Hacken rum und die haben wir dann genommen um den Bus freizubuddeln. Dann haben wir aber mal mit einer Taschenlampe unter den Bus geleuchtet und gesehen, dass die Hinterachse auf einer Mauer drauf hängt. Dann haben wir das Zeug weggeschmissen und dem Fahrer gesagt, er soll seinen Scheiß alleine machen. (lacht)
Da musste dann noch ein Kran anrücken und den Bus auf die Straße heben. Wir haben uns nur gedacht, fick dich, mach den Scheiß alleine, wenn du so blöd bist und da reinfährst. Wir sind nur schlafen gegangen und der hatte echt keinen Spaß. Aber einmal pro Tour passiert uns so ein Scheiß. Aber über die Jahre ist einem mehr egal. Es gibt nichts, was man noch nicht gesehen hast.



Was erwartet uns heute beim Support und habt ihr die selbst ausgesucht?


Ja! PABST ist eine super Band aus Berlin. So ein bisschen moderner Grunge. Finden wir super gut. Schön in die Fresse. Die starten in Berlin grad etwas durch. Darum war uns das wichtig. Und HÄLLAS; ich glaub denen steht eine große Zukunft bevor und ich glaube auch, die wissen das selber noch nicht. Aber man sieht es live an den Reaktionen. Das war gestern in München schon gewaltig, was da zurückkam. Das ist jetzt ihre erste richtige Tour, die haben immer nur so an Wocheneden und Festivals mal gespielt. Super Jungs und die letzten Wochen mit denen im Bus waren super entspannt und wenn im Jänner die Platte rauskommt, wird es sicher ziemlich knallen.





Was steht nach der Tour an? Könnt ihr Weihnachten und etwas Ruhe genießen?


Näh. Schön wärs. Jetzt geht es noch weiter mit Finale in Berlin. Drei Tage später fliegen wir noch für drei Wochen in die USA und machen da an der Ostküste noch eine Runde bis Weihnachten. Dann haben wir, glaube ich Pause bis Anfang Jänner und dann geht´s nach Japan, Russland, Israel, Neuseeland, USA, Mexiko… und keine Ahnung. Und dann ist eh Festivalsaison und dann wollen wir mal im zweiten Halbjahr das erste Mal in zehn Jahren eine Pause machen. Aber das weiß ich erst, wenn es so weit ist. Das hat noch nie geklappt. Das steht nämlich schon seit drei Jahren am Plan und darum traue ich der ganzen Sache nicht. (lacht)


Dann danke ich dir für das Interview und wünsche viel Spaß bei der Show.Y>





www.kadavar.com

Autor: maxomer

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Beitrag vom 04.12.2019
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